Homeoffice – was sind die Vorteile?

By | 12. 08. 2013

Immer mehr Firmen bieten Homeoffice an. Lohnt sich das für ein Unternehmen? Und was bedeutet das für mich als Arbeitnehmer?

Marissa Mayer von Yahoo! hatte die Nase voll: Kurz nach ihrem Einstieg als CEO rief sie die Angestellten zurück ins Büro. Doch was war schiefgelaufen? Angeblich hatten sich zahlreiche Mitarbeiter nebenbei einen Job gesucht oder nicht wirklich wertvolle Arbeit geleistet. Von daher ist es oft gängige Praxis, dass Firmen nur verdienten Mitarbeitern das ständige Homeoffice genehmigen.

Die Vorteile für den Arbeitnehmer liegen auf der Hand: So sind Familie und Job leichter unter einen Hut zu bringen. Die Kinder in die Schule oder den Kindergarten bringen, arbeiten, die Kinder wieder abholen und versorgen, arbeiten und abends, wenn die Kinder im Bett sind, nochmal die letzten Aufgaben erledigen.

Man kann spontaner auf das Alltagsleben reagieren und ist z.B., wenn das Kind krank ist, nicht komplett arbeitsunfähig. Auch sorgt eine leichte Grippe (oder ein unterschätzter Kater) nicht für den totalen Arbeitsausfall. Und der tägliche Weg zur Arbeit – Pendler auf dem Münchner Mittleren Ring können ein Lied davon singen – liegt bei Null. So geht keine wertvolle Zeit verloren. In meinem Fall sind das z.B. 50 Minuten.

Die Angst der Arbeitgeber ist klar: „Mein Arbeitnehmer faulenzt den ganzen Tag!“ Studien haben allerdings ergeben, dass der Mitarbeiter im Homeoffice im Durchschnitt sogar mehr arbeitet, als es der „normale“ Büromensch tut. Es gibt immer schwarze Schafe, von daher ist Vertrauen in den Einzelnen gefragt. Und somit Aufgabe der Führungskraft, die Einstellung des Homeoffice-Beantragenden einschätzen zu können. In den heutigen Zeiten, in denen allerdings nicht mehr die 39-Stunden-Woche, sondern das Erreichen eines gewissen Arbeitspensums das Ziel darstellt, liegt eine ordentliche Erledigung der Arbeit aber wohl im beiderseitigen Interesse.

Monitore im Homeoffice

Im Endeffekt ist es egal, wo man arbeitet, Hauptsache, man tut es!

Nicht zu unterschätzen ist die Ruhe, die man hat, wenn wichtige Projekte anstehen. Andererseits kann man an anderen Tagen im Garten arbeiten, Musik hören oder nebenbei ein Eis essen. Eine Jogginghose tragen. Die Füße auf den Tisch legen. Zwischendurch im Pool abkühlen. Sich also seinen Arbeitsplatz perfekt gestalten, so dass man sich richtig wohlfühlt. Arbeitet man da nicht noch lieber und im Endeffekt effektiver? Ich schon.

Was spricht dagegen, dass man die Wäsche aufhängt, den Kindern das Mittagessen zubereitet und schnell mal Einkaufen fährt, wenn die Arbeit trotzdem zuverlässig erledigt wird? Wenn man den Freitag Nachmittag der Familie widmet, dafür 2 Abende und/oder am verregneten Sonntag die eine oder andere Worksession einlegt?

Sind feste Arbeitszeiten und Arbeitsplätze noch zeitgemäß, gerade wenn man mit Privatkunden zu tun hat, die eher abends Zeit haben? Kunden aus den USA betreut, die erst am deutschen Nachmittag aufstehen? Wenn man viel zu Kunden fährt und der Weg in die Firma einen Umweg bedeutet? Meines Erachtens nein.

 Swimmingpool

Nach der Abkühlung arbeitet es sich viel leichter!

Regelmäßige Gespräche, Teammeetings und Projektbesprechungen sind natürlich unerlässlich – und das auch mal persönlich vor Ort. Einfach, um sich auszutauschen, die Arbeitsfortschritte zu klären und den Kollegen mal wieder zu treffen, mit den man sonst nur am Telefon oder im Chat kommuniziert.

Das Gefühl der Kontrolle muss in einem gesunden Maße erhalten werden, keine Frage. Aber gerade die Cloud-Lösungen (Microsoft SharePoint, Lync, Google Docs, Amazon Cloud) sorgen dafür, dass es noch einfacher geht, von jedem Ort des Planeten zu arbeiten und auch die Fortschritte laufend zu begutachten.

Ich kenne ganze Abteilungen, die von zu Hause arbeiten. Die Zusammenarbeit funktioniert reibungslos. Assistentinnen, deren Chefs durch die Welt reisen und deren Arbeitsort von völlig sekundärer Bedeutung ist. Outgesourcte Teams, die in einem, zugegebenermaßen günstigeren Land effiziente Arbeit leisten und trotzdem für den Kunden da sind.

Nicht zu vergessen sind auch die Vorteile für die Firma:
– Man spart sich die Büromiete, Strom, Heizung, …
– Mitarbeiter sind nicht mehr ortsgebunden: Man findet auch Mitarbeiter aus einem anderen Teil der Region, Nation oder sogar der Welt, wenn diese nicht umziehen müssen.
– Besonders Frauen, die aufgrund der Familienplanung eigentlich keine Zeit für Kinder und Job haben, können engagiert oder gehalten werden.

Die Infrastruktur muss natürlich auf dem aktuellsten Stand der Technik sein:
– Gesicherte VPN-Verbindungen ins Firmennetzwerk.
– eine digitale Telefonanlage, die auch dem Mitarbeiter am Ende der Welt eine feste Durchwahl bietet.
– digitale Konferenztechnologie, die Meetings ermöglichen.

Wenn das Unternehmen dann eines Tages planen sollte, diverse Abteilungen outzusourcen und die Voraussetzungen für Remote-Arbeitsplätze schon gegeben sind, geht das natürlich viel einfacher …

Natürlich muss der brave Mitarbeiter aber auch lernen, zu trennen. Wenn die Arbeit für heute beendet ist, muss der Computer ausgeschaltet, die Gedanken sortiert und das Projekt ausgeblendet werden. Das Firmentelefon muss in die Schublade wandern, das dienstliche E-Mail-Postfach auf dem Handy bleibt ungelesen. Ansonsten setzt man sich selbst unter Druck und man impliziert Kunden und Kollegen gegenüber: „Der arbeitet gerne rund um die Uhr“. Flexibilität und Arbeitseinsatz brauchen gewisse Grenzen. Wer das nicht kann, sollte sich gut überlegen, nicht doch lieber den klassischen 9 – 18 Uhr – Arbeitsplatz zu belassen. Eine Umfrage unter den größten Unternehmen zeigte deutlich: Die wollen gar nicht den Always-On-Mitarbeiter. Nice to have, aber das Privatleben des Arbeitnehmers ist fast überall heilig. Manche Firmen blockieren sogar die E-Mail-Zustellung während der üblichen Freizeitstunden. In internationalen Unternehmen vielleicht keine gute Idee, für nationale Firmen aber nachdenkenswert.

Fazit:
Gerade bei Firmen, die viele Außendienstmitarbeiter beschäftigen oder deren Angestellte nicht zwangsläufig vor Ort sein müssen, bietet sich die Möglichkeit für Homeoffice an. Der Schritt dorthin ist mit technischem Aufwand verbunden und muss Vertrauen voraussetzen, allerdings bietet es zahlreiche Vorteile – spontan, besonders aber langfristig. Und persönlich habe ich es noch nie erlebt, dass ein Kunde nach Feierabend auf meinem Handy anruft, dessen Nummer im Unternehmenstelefonbuch steht. Dafür gibt es eine besondere Anerkennung, wenn man auf eine wirklich dringende E-Mail am Samstag Vormittag kurz zurückruft und den 3-Minuten-Gefallen kurz erweist. Kundenservice Deluxe.

Geschrieben von Chris

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