Ing-Diba und Sparkasse: Krieg wegen niedriger Zinsen?

By | 11. 03. 2013

Zwei Welten treffen aufeinander: Die Sparkassen und die ING-Diba führen Krieg auf hoher Ebene:

Wer für Tagesgeld deutlich mehr als den Geldmarktzins von kaum noch mehr als Null Prozent biete und profitabel sei, der lege das Geld der Kunden entweder in riskanten Anlagen an oder „alimentiere krisengeschädigte und staatlich gestützte Mutterkonzerne in den Niederlanden oder sonst wo im Ausland“. Dies sei eine „Schmarotzerstrategie“. Das waren die Worte von Gerhard Grandke. Grandke ist der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen. Quasi der Chef der dortigen Sparkassen.

Die Ing-Diba schoss zurück: „Nachtreten, wenn der Ball schon weg ist, das sollte man lassen.“

Wie sieht die Realität aus?
Die Ing-Diba hat vorletzte Woche ihre Zinsen für Tagesgeld auf 1,0% gesenkt. Bei einer Inflationsrate von 2% bin ich fast gezwungen, mein Geld umgehend anzulegen.

Ein Auto, das ich heute für 10.000 Euro einkaufe, kostet nächstes Jahr – vereinfacht gerechnet – 10.200 Euro, während mein Sparkonto-Stand zum selben Tag bei 10.100 Euro steht. Ich muss also 100 Euro aus dem Geldbeutel ziehen. Die habe ich beim Sparen verloren.

Bei der Sparkasse trifft es mich bei Weitem schlimmer.
Ich lebe nach dem Prinzip, dass passieren kann was will: Ich habe immer einen Notgroschen zur Hand. Also liegen 2.000 Euro auf einem Sparkonto, das ich nur dazu angreife, um mir einen Lastwagen mieten zu können, der mein Heimkino zurück in Muttis Kinderzimmer fährt, wenn Scheidung, Insolvenz und Strafverfolgung drohen. Im letzten Jahr wurde dieser Notgroschen mit sagenhaften 0,3 % verzinst. Drei Kugeln Eis mit Sahne sind also auf der Fahrt zu Mutti zurück drin. Ich muss aber – der vereinfachten Inflationsrechnung folgend – 40 Euro mehr für den Lastwagen berappen. 34 Euro von 40 Euro sind weg.

Ist es also fair, solch einen Krieg zu führen? Was macht denn den Unterschied bei den Zinsen aus?

Erstens gilt es den Weltmarkt zu beleuchten. Falls man lediglich die Zinsen auf dem europäischen Markt ansieht, bekommen sowohl die Ing-Diba, wie auch die örtliche Sparkasse, bei der EZB genau 0,00 %, wenn sie ihr Geld dort anlegen. Macht keinen Sinn.

Man muss immer genau schauen, wie die Banken arbeiten können.
Denn: Geld auf dem Sparkonto kann ich mit einer Kündigungsfrist von 3 Monaten verschwinden lassen. Unter 2.000 Euro sofort. Damit kann die Bank nicht groß arbeiten.

Erst bei längerfristigen Einlagen, wie einem Sparbrief, kann sich meine Bank sicher sein, das Geld genau so lange verleihen zu können.
Zinsunterschiede zwischen langjährigen Sparbriefen mit 1,5 % und Baudarlehen bei ca. 4% sind verständlich. Allerdings frage ich mich schon, wieso ich auf dem Girokonto ab dem ersten Cent im Dispokredit sagenhafte 14% bezahle, während das Sparkonto 0,3 % bringt. Sowohl der Kredit, als auch die Sparanlage, sind kurzfristige Geldgeschäfte!

Der große Unterschied zwischen Ing-Diba und der örtlichen Sparkasse liegt auf der Hand:
Die Ing-Diba ist ein eigentlich niederländischer Konzern, der aber in Deutschland eine eigene Bank bildet. Die Absicherung der Bank liegt im Moment pro Kunde bei 1,49 Milliarden Euro. Bedenklich finde ich, dass bis 2025 diese Haftung schrittweise auf 434,9 Millionen Euro sinken wird. Bis dahin muss ich also mein Geld verteilen, um abgesichert zu sein.
Die Sparkasse ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts, getragen von ein oder mehreren kreisfreien Städten und Landkreisen. Die Bankenhaftung gilt hier genauso, allerdings stehen öffentliche Stellen dahinter.

Dass die Ing-Diba mit 3 Filialen und 3.000 Mitarbeitern und 1.200 Geldautomaten eine reine Online-Bank ist, ist schnell klar.
Die Sparkassen-Finanzgruppe hingegen betreibt rund 15.000 Filialen, beschäftigt rund 360.000 Mitarbeiter und hat zehntausende von Geldautomaten. Irgendwo logisch, dass hier die Verwaltungskosten höher sind.
Dass die Sparkassen ein aufgeblähter Verwaltungsapparat sind, ist aber auch klar. Prunkvolle Geschäftsstellen, die Annehmlichkeiten des öffentlichen Dienstes und die Sanierung maroder Landesbanken fordern ihren Tribut.

Frauen an einem Geldautomat

Persönliche Beratung oder Online-Interface?
(Bild: Wincor Nixdorf)

Andersherum betrachtet muss man aber gestehen:
Ein Kunde ohne Internet kommt an die Diba nicht ran. Kontoauszüge werden heruntergeladen, Überweisungen ins Smartphone geklopft und altmodische Dinge wie Schecks per Post geregelt. Bei Fragen hat man eine sehr kompetente Hotline.

Die Sparkasse hingegen sitzt in jedem Ort. Ein Geldautomat ist stets in Reichweite. Und bei Fragen geht man zur nächsten Filiale. Ohne die Sparkassen würde so mancher Kindergarten kein Klettergerüst besitzen; viele Vereine und soziale Einrichtungen bekommen jährlich eine Finanzspritze. Und wenn der Schreiner vor Ort in eine finanzielle Schieflage kommt, findet sich in der Sparkasse sicher eine annehmbare Lösung. Diese Vorteile kann man aber nur schätzen, wenn man sie kennt.

Dass Oma Berta den GEZ-Dauerauftrag ohne Hilfe nicht einrichten kann, der Tante-Emma-Laden Wechselgeld benötigt und man eine Lebensversicherung wohl am Liebsten mit persönlicher Beratung abschließt, interessiert die Ing-Diba nicht.

Rollengeld

Kleingeld gibt’s (noch) nicht online.

Bild: Lupo/pixelio.de 

Fazit: Die Ing-Diba und die Sparkassen führen Krieg auf einem Level, der Äpfel mit Birnen vergleicht. Letztendlich kommt es auf den Kunden an. Bezahlt er lieber für Vor-Ort-Service und gute Beratung? Oder braucht er keine Hilfe und ist zufrieden, online die FAQs zu lesen?

Ich bin nach Jahrzehnten bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen zur Ing-Diba gewechselt. Einfach, weil ich mir selbst helfen kann und kein Geld für Dinge ausgeben möchte, die ich nicht brauche. Trotzdem habe ich weiterhin ein Girokonto und die langfristigen Anlagen und Versicherungen bei der Sparkasse. Denn dort kenne ich meinen Ansprechpartner und weiß sicher: Ihm kann ich bei Fragen und Problemen vertrauen.

Wie denken Sie? Wo legen Sie Ihr Geld an? Lassen Sie es mich wissen.

One thought on “Ing-Diba und Sparkasse: Krieg wegen niedriger Zinsen?

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