Papa, was heißt eigentlich Inflation?

By | 11. 11. 2012

Unlängst haben wir auf www.geldantworten.de die Frage gehabt: “Ich muss meinem kleinen Sohn Inflation erklären. Aber wie?

Ich möchte Euch das an einem kleinen Beispiel erklären.
In einem kleinen Land, nennen wir es Hiogia, wohnen 2 Leute: Mim und Stan. Mim backt Brötchen und Stan erntet Getreide.

Jeden Tag bringt Stan genau 10 Kilogramm Getreide zu Mim und bekommt dafür 10 Taler. Am nächsten Tag, vor der Feldarbeit, kauft sich Stan für genau 10 Taler 10 Brötchen. Das geht tagein – tagaus. Jeden Tag der gleiche Vorgang.

Plötzlich taucht ein reicher Banker, nennen wir ihn Chris, auf und hat aus dubiosen Quellen auch täglich 10 Taler in der Tasche. Was geschieht?

Es findet eine Inflation statt, denn in der Wirtschaft von Hiogia gibt es nun plötzlich mehr Geld als zuvor.

Mim hat 10 Brötchen, könnte aber 20 verkaufen. Sie könnte nun jedem 5 Stück geben und dafür 5 Taler + 5 Taler = 10 Taler kassieren. Sie ist aber so klug und verlangt plötzlich 2 Taler pro Brötchen.

Tagein, tagaus, verkauft Mim nun ihre 10 Brötchen, denn sie hat ja nicht mehr Getreide, bekommt nun aber 20 Taler pro Tag. Das Ende vom Lied ist: Das Brötchen ist nun 2 Taler wert, statt 1 Taler. Und im Gegenzug damit um 100 % teuerer geworden, während der Lohn für Stan weiterhin gleich geblieben ist.

Das Geld hat an Wert verloren bzw. die Waren an Wert gewonnen.

Papa, was heißt eigentlich Inflation?

Das Schaubild erklärt die Inflation ganz einfach.

Das Gegenteil der Inflation ist die Defloration Deflation.

Hier ist die Geschichte andersherum.
Chris und Stan kaufen – jeder – 10 Brötchen für je 2 Taler. Der Banker wandert aus – zurück nach Bayern.

Es findet eine Deflation statt.

Stan hat nach wie vor 10 Taler pro Tag, kann sich aber nur 5 Brötchen leisten. Mim produziert aber weiterhin 10 Brötchen am Tag.

Da nicht abzusehen ist, dass jemand kommt und Brötchen kauft, wirft sie täglich 5 Brötchen weg (wer will Gebäck vom Vortag?), bis es ihr zu dumm wird, die Arbeit zu vernichten. Sie weiß, dass sie für 10 Taler 10 Brötchen verkaufen kann und senkt den Preis wieder auf 1 Taler pro Stück.

Das Geld hat an Wert gewonnen bzw. die Waren an Wert verloren.

Zurück in die Realität – das passiert auch in unserer Welt.
Um das Jahr 1923 – Geldscheine wie die Milliarden- oder Billionen-Mark-Note findet man immer wieder auf Flohmärkten oder alten Kellern – wenn nicht das Brennholz mehr kostete als das, was man gestern noch verdiente und deswegen den Lohn vom Vortag lieber einheizte.

Im zweiten Weltkrieg wurden die Banken gezwungen, dem Staat immer mehr Kredite zu geben. Somit hatte der Staat faktisch immer mehr Geld zum Ausgeben, obwohl keine Werte dafür zu haben waren. Dies führte zu einer Inflation, vom Volke aber unbemerkt, da die Preise und Löhne gesetzlich “eingefroren” waren, also immer gleich blieben. Lange ging das nicht gut und führte zu einer großen Währungsreform 1948.

Heutzutage haben wir – Gott sei Dank – Instrumente wie die Bundesregierung und die EZB, die gegen eine Inflation kämpfen. Wir pendeln bei Inflationsraten von ca. 2%, so dass durch Tariferhöhungen der Gewerkschaften und im öffentlichen Dienst diese “Ungerechtigkeit” von Waren, die teurer werden, ausgeglichen werden.

So hat das Brötchen vor 10 Jahren vielleicht 1 Taler statt 1,10 Taler gekostet. Dafür verdienten wir aber auch 11 Taler statt 10.

Für Fragen zum Thema Inflation und Deflation stehen wir auf www.geldantworten.de gerne Rede und Antwort!

One thought on “Papa, was heißt eigentlich Inflation?

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