Umsatzsteuer-ID vom Finanzamt? „Da bin ich nicht zuständig“

By | 23. 02. 2013

Liebe Leserin, lieber Leser. Vielleicht haben Sie an der Schreibweise meiner bisherigen Artikel feststellen können: “Der ist anders”. Ja, ist er. Er kommt aus Bayern. Spätestens nach diesem Artikel werden Sie es aber gewiss gemerkt haben. Diverse Aussagen müssen nämlich einfach im O-Ton getroffen werden.

Ort: In meinem neuen Zuhause.
Zeit: Anfang Dezember.

Ich habe beschlossen, nach vollendetem Umzug ein Gewerbe zu gründen. Der Ein oder Andere wünscht meine Hilfe am Computer. Da ich das kann und unlängst nach einer Rechnung gefragt wurde, gründe ich also mein Kleingewerbe. Nebenbei. Weil es einfach schöner aussieht, mache ich das Ganze auch mit Ausweisung der Umsatzsteuer. Nachfolgend meine Erlebnisse mit dem Finanzamt.

Ein Freund von mir hat die Gewerbeanmeldung schon hinter sich und berät mich, was genau zu tun ist.
Ich sehe mich schon auf einem verstaubten Amt in dieser kleinen bayerischen Gemeinde. Fuchs und Hase sagen sich hier “Gute Nacht” und der Feuerwehrkommandant ist gleichzeitig Vorsitzender des Schützenvereins, des Kriegervereins und Fraktionsvorsitzender mindestens einer Partei. Wie man es aus dem Fernsehen gesehen hat. Bayern halt.

Völlig überrascht finde ich auf der Homepage dieser kleinen Gemeinde in Bayern das “Online-Bürgerbüro” und kann dort – auch am Sonntag – alles auf dem Bildschirm beantragen, online versenden und muss nur noch das Ganze nochmal ausdrucken, unterschreiben und der Gemeinde einwerfen. Zur Kontrolle quasi.

2 Tage später ist die Bestätigung im Briefkasten, ohne Briefmarke, das nimmt man hier einfach auf dem Nachhauseweg mit und wirft es ein.
ICH BIN ANGEMELDET!
Das Finanzamt wird sich noch bei mir melden, heißt es weiter.

Schild mit der Aufschrift Finanzamt

Dass es kein Spaß werden würde, war mir klar. Aber so wenig Spaß? …

Bild: bbroianigo/pixelio.de

Ort: An meinem Arbeitsplatz.
Zeit: Mitte Dezember.

Obwohl es hieß, das Finanzamt würde sich bei mir bzgl. der Steueranmeldung rühren, bislang kein Kontakt. Ich rufe das Finanzamt an. Im Internet gibt es hierzu einen Ansprechpartner aufgeführt.

”Das Finanzamt fördert Teilzeitarbeit. Deswegen ist dieser Anschluss derzeit nicht besetzt. Danke für Ihr Verständnis.”

Ein zweiter Ansprechpartner ist auch aufgeführt, doch mein Anruf verhallt ungehört. Auch am nächsten Tag.
Ich rufe die Vermittlung an.

“Meier?”
“Wer?”
“Meier, Finanzamt.”

Ach, doch richtig.

“Ich brauche jemanden, der mir mit meiner Gewerbeanmeldung helfen kann.”
“Moment.”

Ich lande wieder auf einem durchläutenden Apparat. Neuer Versuch.

“Meier?”
“Ich brauche jemanden, der mir mit meiner Gewerbeanmeldung helfen kann.”
“Moment.”
“Halt, bei den Durchwahlen XXX und YYY ist keiner da, da brauchen Sie mich nicht durchstellen.”
“Und iatz?
”Hätte ich gerne die Vertretung gesprochen.”
“Aso. Guad.”

Eine nette Frau meldet sich, erklärt mir, das sei zwar nicht ihr Aufgabengebiet, aber sie könne mir den Fragebogen auch raussenden. Mein Ansprechpartner sei Herr H. Wenn ich aber Fragen hätte, ihre Durchwahl sei xxx und ihr Name sei – nochmal zum Notieren – Frau xxx.

Ort: In meinem Zuhause.
Zeit: Ein Tag nach o.g. Anruf.
Schon heute kam Post vom Finanzamt. Der Fragebogen. Wohl die 200. Kopie der Kopie, aber da ich nun weiß, was es auszufüllen gilt, finde ich das Ganze als PDF im Internet. Ich fülle das Formular gewissenhaft aus. Mein Freund, der mit der überstandenen Gewerbeanmeldung, assistiert am Telefon. “Vergiss fei ja des Kreizerl bei da Umsatzsteier ned”, sagt er. Habe ich nicht vergessen. Ich beantrage die Umsatzsteuer-ID. Bis auf den Namen gleichen sich unsere beiden Formulare nun. Noch am selben Tag werfe ich den Schrieb wieder ein.

Ort: Mein Briefkasten.
Zeit: Mitte Dezember bit Mitte Januar.

Kein Brief vom Finanzamt.

Ort: An meinem Arbeitsplatz.
Zeit: Mitte Januar.

Ich rufe meine Ansprechpartnerin nochmals an. Sie erinnert sich und fragt mich sofort bei der Nennung meines Namens, ob was schiefgelaufen sei. “Nein”, sag ich. “Es ist gar nichts gelaufen”. Sie schluckt und meint, mein Sachbearbeiter, Herr H. würde mich am nächsten Tag anrufen und weiterhelfen.

Ort: In meinem Bett.
Zeit: Der nächste Tag, 8:03 Uhr.

Eine mir bislang unbekannte Dame ruft an. Sie vertrete Herrn H. Sie sieht in irgendeiner Excel-Tabelle, dass zwar meine Umsatzsteuer-ID beantragt sei, aber das wohl aus ominösesten Gründen samt Fachbegriffen nicht funktioniert habe. Zum Abgleich wollte sie meine Steuernummer haben.

“Die habe ich doch auch nicht. Gar nix habe ich von Ihnen gehört! Deswegen rufe ich doch an!”

Völlig perplex, die Gute.

“Aso, ja, öhm, dann brauche ich Ihr Geburtsdatum”.

Ich gebe es ihr, noch umnachtet ob des frühen Anrufs.

”Mei ganz guad. Sie können Ihre alte Steuernummer weiterhin verwenden”.
“Nein!” rufe ich. “Ich bin doch umgezogen. Die alte Steuernummer gilt bei Euch doch nicht!”
“Na, die quasi alte neie Steuernummer”.
”Ich hatte bislang in meinem Leben eine Steuernummer. Beim alten Finanzamt.”
”Ja, und dann vo uns a neie oide Steiernummer griagt. In am Briaf.”

Sachlich erkläre ich ihr, dass ich keine verfluchte “alte neue / neue alte” Steuernummer und auch keine Umsatzsteuer-ID habe und auch noch niemals einen Brief dieser Behörde bekommen hätte.

“Aso, des macht dann der Herr H. Dem leg I an Zedl hi. Der meldet sich gleich moang bei Ihnen, dann klären Sie das direkt mit ihm”.

Schild Bitte Ruhe Steuerprüfung

So stelle ich es mir auf dem Amt vor.

Bild: Matthias Preisinger/pixelio.de

Ort: An meinem Arbeitsplatz.
Zeit: Mitte Februar.

Herr H., mein Ansprechpartner, meldete sich natürlich nicht. Ich rufe beim Finanzamt an. Sachgebiet Gewerbeanmeldungen. Ich nenne meinen Nachnamen. Eine mir völlig unbekannte Frau ergänzt meinen Vornamen. Verwundert über meine amtsweite Bekanntheit schildere ich ihr den Fall.

“Ja, mei, da sans bei mir falsch.”
“Und weiter?”
“Ich verbinde Sie.”

Achso. Doch keine Gewerbeanmeldung?
Eine Frau antwortet, ich höre schon fast “Wer stört?”, aber da habe ich wohl nur ihren Namen falsch verstanden. Erneut schildere ich den Fall. Mein Kollege dreht sich grinsend zu mir um.

“Ihre Steuernummer?”
“Genau die brauche ich, deswegen rufe ich doch an?!” “Achso, ja dann, da sans bei mir falsch.”
“Ok?”
“Ja.”
“Wer kümmert sich?”
“Der Herr H.”
“Verbinden Sie mich?”
“Ja.”

Ich seufze. Mein Kollege grinst erneut – diesmal etwas breiter.
Anstatt des sagenumwobenen Herrn H. meldet sich eine mir bis dato unbekannte Dame. Scheinbar wurde ihr mein Fall eben geschildert. Sie durchforstet ihren Computer, sich ungefähr siebenmal entschuldigend, sie hätte schon wieder den falschen Knopf gedrückt. In einer Engelsgeduld warte ich.

“Ich find Sie nicht. Sind Sie der Herr XXX, geboren am 04.09.1971?”
“Nein. Ich buchstabiere”.

Sie sucht.

“Ah, da sind Sie ja. Glück gehabt”

Glück? Nie wieder Steuern zahlen müssen, weil nicht existent? DAS wäre Glück.

”Hmm, hmm, Sie sind umgezogen UND gründen jetzt schon ein Gewerbe? Dafür bin ich nicht zuständig.”
“Wer dann?”
“Das Clearing.”
“Verbinden Sie mich?”
“Wenn da heute jemand da ist, dann ja”

Bild mit Finanzamt geschlossen

“Wenn da heute jemand da ist”

Bild: Gerd Altmann/pixelio.de

Mein Kollege gibt mittlerweile – während ich warte – eine Geschichte aus seinem phänomenalen Leben zum Besten. Es geht – wie zu erwarten war – ums Finanzamt.

”Huawa.”
“Finanzamt, Huber?”
“Ja freille.” (Ja, wer denn sonst?). Wos is los? (Wie darf ich Ihnen helfen?)”

Ich schildere meinen Fall.

“Do muas i suacha, i ruaf eana glei nommoi o. Eingdle bin I do jo go ned zuständig, Umsatscheideraidi und so ebs macht da Herr H.
[Da muss ich Sie erst suchen, ich rufe Sie in Kürze zurück. Im Grunde genommen ist dies außerhalb meines Zuständigkeitsbereichs, Umsatzsteuer-Identifikationsnummern und ähnliche Fälle liegen im Fachgebiet des Herrn H.]

Ort: An meinem Arbeitsplatz.
Zeit: 1 Stunde später. Das Telefon schellt.

”So, iatz.  Da hamma eana. Aiso, I beantrag moi de Umsatschdeieraidi für eana. Wissn’s, Sie hand ja a Aktenübernahme. Weil Sie umzong san. Do dauert des nadiarle scho a Zeid. Bis do moi da Akt bei uns is… Aber mia schiggma eana des dann bei Zeiten zua, gä.”
[So, ich habe Sie aufgefunden. Ich werde nun die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer für Sie beantragen. Wissen Sie, Sie sind ein Fall der Aktenübernahme. Weil Sie aus einem anderen Zuständigkeitsbezirk zugezogen sind. Dies nimmt naturgemäß eine gewisse Zeit in Anspruch. Bis  alle Unterlagen übersandt wurden, streicht einige Zeit ins Lande. Aber wir senden Ihnen in Bälde Ihre gewünschten Unterlagen zu.]

Ort: Mein Briefkasten.
Zeit: Die folgenden zwei Wochen.
Gähnende Leere.

Ich bemühe mich weiter. Lesen Sie nächste Woche weiter!

2 thoughts on “Umsatzsteuer-ID vom Finanzamt? „Da bin ich nicht zuständig“

  1. Littlesista

    Köstlich! Und sämtliche Vorurteile werden bedient.
    Viel Spaß weiterhin! 😉

    Reply
  2. Pingback: Umsatzsteuer-ID vom Finanzamt - Ende gut, alles gut? | hiogi Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.