Was passiert mit dem Geld auf meinem Sparbuch bei der Bank?

By | 18. 11. 2012

Ich erinnere mich noch an die jungen Jahre meines Lebens zurück: Jedes Jahr am Weltspartag gingen wir mit Mutti in die Sparkasse, leerten unsere Spardose aus und bekamen ein Geschenk. Damals erklärte man mir, das Geld würde für „später“ angelegt und war für mich quasi „verschwunden“. Kein Wunder, dass sich mit fortschreitendem Alter eine „schwarze Kasse“ bildete, in der ich Geld für Süßigkeiten und das Micky-Maus-Magazin bunkerte. 😉

Was passiert mit dem Geld auf meinem Sparbuch bei der Bank?

Vom Sparschwein ab auf die Bank.
Das Geld soll sich ja vermehren.

Bild: Rainer Sturm/pixelio.de

Was passiert aber eigentlich mit dem Geld, das auf dem Sparbuch landet? Klar, dass es im Sparbuch, auf dem Tagesgeld oder dem Girokonto auf dem Papier steht, aber wieso gibt’s Zinsen? Was macht die Bank eigentlich?

Nun, beginnen wir mit dem Grundgeschäft der Bank: Menschen bringen Geld zur Bank, bekommen Zinsen. Andere Menschen leihen sich Geld und zahlen dafür Zinsen.

Wenn ich nun meine Spardose mit ausleere und – nehmen wir an – 100 Euro einbezahle, hat die Bank 100 Euro zur Verfügung. Wenn nun 1.000 Kunden 100 Euro einbezahlen, sind das schon 100.000 Euro.

Von den 100.000 Euro
– bezahlt die Bank Kredite aus
– behält die Bank einen gewissen Anteil, um einem Kunden, der Geld vom Sparbuch abheben möchte, auch sein Geld zurückgeben zu können
– legt die Bank einen Teil des Geldes an, um selbst Zinsen zu erhalten.

Wir sehen also: aus meinen 100 Euro-Anteil an der Bank hat mein Nachbar wohl 50 Euro für sein neues Auto bekommen, 15 Euro liegen wohl bereit, falls ich zur Auszahlung komme und die restlichen 35 Euro hat die Bank selbst angelegt.

Das Geld, das die Bank selbst anlegt, ist in Fonds, Immobilien und Tagesgeldern angelegt. Natürlich muss auch immer berücksichtigt werden, wie schnell der Kunde sein Geld wieder einfordern kann! Beim Sparbuch kann ich jederzeit an mein Geld, beim 5-jährigen Sparbrief kann die Bank geschlagene 5 Jahre mein Geld „verleihen“, so dass ich hier mehr Zinsen bekomme.

Genau so ist es andersherum: Je kurzfristiger ich Geld benötige, um so mehr Zinsen bezahle ich. Der Dispo ist höher als der 10-Jahres-Kredit für das Haus.

In meiner Bankerkarriere wurde ich das ein oder andere Mal gefragt:

„Was passiert, wenn alle Kunden auf einmal ihr Geld wollen?“

Das bringt viele Banken natürlich in Bedrängnis, aber wieso sollte das passieren? Natürlich kann sich in diesem Fall die Bank selbst Geld leihen, bis alle langfristig ausgegebenen Kredite eingeholt worden sind.

„Hat die Bank auch mal Geld über?“

Natürlich, sonnenklar. Es werden immer Reserven vorgehalten, um alle Auszahlungen tätigen zu können. Abends legt die Bank – quasi über Nacht – ihr Geld bei einer anderen Bank an. Bei vielen Millionen Euro macht das auch schon einiges aus!

„Geht der Bank auch mal Geld aus?“

Natürlich passiert auch dies. Dass einfach mal mehr Geld ausbezahlt als einbezahlt wurde. Dafür können kurzfristige Kredite besorgt werden. Die EZB, aber auch die Landesbanken vergeben Kredite an ihre Kunden, die Sparkassen und Banken.

Kurz gesagt: Das Bankentum ist ein reines Verleihen von Geld, das Kunden dort anlegen. Der Gewinn und die Deckung der laufenden Kosten wie Personal, Strom und Miete basiert rein darauf, dass für das „Verwahren“ von Geld weniger Zinsen bezahlt werden als für das Verleihen verlangt wird.

Banal – oder?

One thought on “Was passiert mit dem Geld auf meinem Sparbuch bei der Bank?

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