Fasten 2013: Leben ohne Amazon

By | 16. 02. 2013

Ich faste. Bis Ostern werde ich jetzt auf die Pakete von Amazon verzichten. Nicht aus religiösen Gründen, sondern als Versuch, ob ein Leben ohne Amazon möglich ist. Das klingt in vielen Ohren wahrscheinlich sehr dramatisch, denn natürlich ist ein Leben ohne Amazon möglich. Ich kenne viele Leute, die wahrscheinlich gar nicht verstehen werden, warum jemand so einen Selbstversuch startet.

Screenshot Amazon Logo bei Google

2013 ist Fasten ist angesagt.
Amazon hat jetzt mal Pause.

Bild: Screenshot Google

Für uns Online-Menschen ist Amazon die allzeit bereite Quelle des Versandhandels. Es gibt kaum einen Artikel, den man dort nicht bestellen kann. Die Zahlungsabwicklung ist kinderleicht und sicher, die Preise sind günstig. Ein Klick und das Paket macht sich auf den Weg. Es ist einfach sooo praktisch. Warum also darauf verzichten?

Weil Amazon nicht nett ist. Weder zu seinen Mitarbeitern noch zu uns. Amazon vernebelt unser Hirn. Wie viele andere Firmen auch. Google, Lidl, Facebook, KiK, Apple – die Liste lässt sich beliebig erweitern. Aber das ist der Vergleich Äpfel mit Birnen. Also zurück zu Amazon. Schon seit längerem sind die Arbeitsbedingungen beim größten Online-Versandhändler der Welt bekannt. Aber schert es uns Verbraucher? Ist es nicht viel eher so, dass man kurzzeitig entrüstet ist, aber dann schon wieder das Geschenk für Oma in den virtuellen Warenkorb packt? „Ich kann doch eh nichts daran machen“ – mit diesem Spruch beschwichtigen wir unser sich aufbäumendes Gerechtigkeitsempfinden.

2013 und in den Zeiten von Facebook & Co., ist das allerdings längst nicht mehr so. Wenn ein Shitstorm über eine Firma oder eine Person hinwegfegt, ist es vorbei mit heimlichem Tun hinter verschlossenen Türen. Und das ist auch gut so, wie ein Berliner Politiker einmal treffend bemerkt hat.

Ich möchte auf jeden Fall nicht, dass die Leute, die mein Geschenk für Oma bei Amazon einpacken, von Neonazis überwacht werden!! Ich möchte auch nicht, dass Buchverlage mit Knebelverträgen in den Ruin getrieben werden. Zum Glück gibt es Widerstand, wie dieses Beispiel zeigt –>.

Woran liegt es denn, wenn in den Städten und Stadtteilen die kleinen Läden verschwinden? Wir jammern darüber, haben aber schon wieder den Finger auf dem Bestellbutton bei Amazon. Im Geschäft ausgiebig beraten lassen und dann online kaufen ist doch mittlerweile Usus. Vielleicht sollte man das einmal kritisch reflektieren.

Fasten wird ja nachgesagt, dass es „ungeahnte Kräfte und berauschende Glücksgefühle“ freisetzt. Ich werde es beobachten. Beim kleinen Einzelhändler vor Ort gab es gestern übrigens eine Tasse Kaffee. Und ein nettes Geschenk für Oma.

5 thoughts on “Fasten 2013: Leben ohne Amazon

  1. Teufel

    Auch wenn Amazon (noch) ein großer Konzern ist, gibt es durch die immerwiederkehrenden Schlagzeilen genug Kunden, die diese Seite meiden.
    Ihre Kündigung Amazon gegenüber ist eine Werbebombe, da viele sicher ähnlicher ansicht sind. Leider sind viele Kleine -und Mittelständige Unternehmen auf derartige Seiten angewiesen. Amazon können genaugenommen nur die Kunden in die Knie zwingen. Solange fleißig bestellt wird und der Kozern Millarden verdient wird sich nicht ändern

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  2. Dirk

    Immerhin – ein erster Erfolg!
    http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2013-02/amazon-sicherheitsdienst

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  3. fischep

    Die meisten Unternehmen lassen doch in den Billigländern produzieren, da dürfte man wohl kaum noch irgendwo kaufen. Ob Autoindustrie, Textilbranche usw.. Jedes Unternehmen möchte möglichst viel verdienen. Da gibt es noch wesentlich schlimmere Arbeitsbedingungen als bei Amazon. Wem seine Unterkunft nicht paßt, kann sich doch eine andere Bleibe suchen und diese dann auch selbst bezahlen, vielleicht sehen dann die Zimmer und die Küche ordentlicher aus, denn das gezeigte Zimmer sprach nicht gerade für die Ordnungsliebe seiner Bewohner. Wenn ich als Saisonarbeiter in ein Land komme, kann ich keine Unterkunft im „Interhotel“ erwarten, die mir bezahlt wird. Ich habe auch bei einer Leihfirma gearbeitet, für einen Stundenlohn unter 8 € und die Benzinkosten von 150 € monatlich noch selber gezahlt.
    Besser wären auch besser Deutschkenntnisse, da wird etwas unterschrieben, was man am Ende gar nicht verstanden hat.

    Also es gibt noch schlechtere Arbeitsbedingungen als bei Amazon.

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  4. Uschi

    #Also es gibt noch schlechtere Arbeitsbedingungen als bei Amazon.#

    Das stelle ich auch gar nicht in Abrede. Deshalb mein Hinweis auf „Äpfel und Birnen“.

    Fasten bedeutet ja, zeitweise auf etwas zu verzichten. Und das mache ich aktuell mit Amazon. Es ist eine interessante Erfahrung und schärft den Blick mal wieder für die Läden vor Ort.

    Man wird sehen, wie es bei Amazon weitergeht. Wenn sich zumindest an einigen Standorten etwas zum Positiven verändert, hat das Medienecho geholfen. Ein negatives Image (siehe Schlecker) kann sich keine Firma auf Dauer leisten.

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  5. Dirk

    Wenn SO eine angemessene Reaktion seitens Amazon aussieht, dann bleibt letzten Endes wohl wirklich nur völliger Boykott …!?

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/streit-um-leiharbeiter-amazon-verklagt-betriebsrat-a-889610.html

    Amazon arbeitet eindeutig mit allen irgendwie möglichen – auch halblegalen – Tricks und „Hinterfotzigkeiten“! Das Aushebeln des Betriebsverfassungsgesetzes scheint da nur ein weiterer, erwartbarer Baustein zu sein …

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