Nein, es ist nicht egal, wie man schreibt!

By | 16. 06. 2013

Ich leide. Manchmal still vor mich hin, manchmal im kleinen Kreis von Freunden und Bekannten und manchmal auch öffentlich. Ich leide bei jedem Schild, welches mir im Alltag vor Augen führt, dass Rechtschreibung anscheinend völlig unwichtig geworden und es egal ist, wie man schreibt. Ich leide bei den unzähligen Fehlern, die sich wie ein bösartiger Virus in Zeitungsartikel eingeschlichen haben und mir in Briefen, Mails oder Webseiten voller Selbstbewusstsein entgegenlächeln. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Nobody is perfect. Hier geht es nicht um die Rechtschreibfehler, die wir alle ab und zu einmal machen. Hier geht es um einen Trend, der durch die Schule Schule macht.

Lesen durch Schreiben Lesen durch Schreiben Lesen durch Schreiben

Am meisten leide ich, wenn ich aufgrund meiner zaghaft vorgetragenen Kritik folgenden Satz höre: „Ist doch egal. Hauptsache, man versteht, was gemeint ist.“ Zur Leidensphase gesellt sich dann nämlich noch ein rapider Alterungsprozess. Plötzlich kommen mir Sätze in den Sinn wie „Früher war alles besser.“ oder „Zu meiner Zeit hätte es das nicht gegeben.“ In jungen Jahren assoziiert man derartige Meinungsäußerungen ja gerne mit dem Alter an sich, mit Spießertum und Leuten, die Kinder aus ihrem Vorgarten vertreiben oder auf 2-mal Flurputzen in der Woche bestehen.

Ist natürlich Quatsch. Manche Menschen kommen schon „alt“ auf die Welt. Mit dem fortschreitenden Lebensalter hat das rein gar nichts zu tun. Früher war in puncto Rechtschreibung allerdings wirklich alles besser. Die Kinder haben sie nämlich noch richtig gelernt. Nicht immer gerne, oft auch mit Drill , aber die Worte haben sich eingebrannt. Es gab weder Schulexperimente wie vorgezogenes Einschulalter oder G8 noch sich ständig ändernde Unterrichtskonzepte oder die Quelle allen Übels: „Lesen durch Schreiben„. Buchstaben werden nicht mehr einzeln gelernt, Diktate sind out – die Kinder sollen so schreiben, wie sie die Worte hören. Korrekturen durch Eltern oder Lehrer sind unerwünscht, könnten sie doch das Kind verunsichern, in der Kreativität beschneiden oder (und jetzt bitte ganz tapfer sein …) Druck auf das Kind ausüben. Man fragt sich echt, wie Generationen jenseits der 90er Jahre überlebt haben.

Lesen durch Schreiben

Bild: Beate und www.onlinewahn.de

Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, dem lege ich den aktuellen Spiegel-Artikel ans Herz (DER SPIEGEL 25/2013). Unter dem Titel „Die neue Schlechtschreibung“ lassen die Autorinnen kein gutes Haar am „deutschlandweiten Feldversuch“ und hoffen, dass die Eltern endlich diesem Unsinn ein Ende bereiten. Es ist nämlich nicht egal, wie man schreibt.

PS. Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

Geschrieben von Beate

2 thoughts on “Nein, es ist nicht egal, wie man schreibt!

  1. Tina

    Oh, wie spricht mir dieser Blog aus der Seele! Ich leide ebenfalls – jeden Tag, (mittlerweile) egal, was ich lese. Überall, wirklich überall Rechtschreibfehler! Nicht mal die Tagesschau schafft es noch ohne. Ganz zu schweigen von Tageszeitungen, Zeitschriften etc. Bei Internetbeiträgen anderer Leute muss ich manchmal leise weinen.

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  2. Hildegard

    Volle Zustimmung zu dem Beitrag von Beate.
    Was die Rechtschreibung angeht, läuft heute vieles falsch. In den Grundschulen, wo das korrekte Schreiben erlernt werden soll, nimmt die Rechtschreibung einen immer geringeren Stellenwert ein. Nach Meinung mancher Bildungsexperten dürfen und sollen die Schüler ruhig falsch schreiben, Hauptsache sie sind kreativ und schreiben interessant und spannend. Darüber hinaus wird die Rechtschreibung auch nicht mehr konsequent eingeübt durch gezieltes Training. Ständiges Üben ist aber wichtig, sonst haben Kinder aus bildungsfernen Schichten überhaupt keine Chance. Doch auch auf dem Gymnasium zeigen sich die Mängel noch deutlich, weil in der Unterstufe der Rechtschreibunterricht keine große Bedeutung hat. So braucht man sich nicht zu wundern, wenn selbst Abiturienten haarsträubende Fehler machen.
    Wenn ich im Internet manche von Fehlern strotzende Kommentare lese, tut mir das richtig weh. Auch Journalisten gehen heute immer gleichgültiger mit der Rechtschreibung um. Abgesehen von Rechtschreibfehlern könnte man auch noch auf Unkenntnis in Grammatik und Interpunktion hinweisen, die das Leseverständnis sehr erschweren können. Aber das wäre wieder ein anderes Kapitel, ebenso wie die heute weitverbreitete „Apostropheritis“.

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