Schuhkauf anno dazumal: Einmal Röntgen bitte!

By | 15. 04. 2013

Es gab Zeiten, da gab es noch kein Zalando & Co. Manche können sich das gar nicht vorstellen, aber es ist eine Tatsache. Für den Schuhkauf ging man, wie zum Glück heutzutage auch noch, in ein am Ort ansässiges Schuhgeschäft und ließ sich ausgiebig beraten. Eifrige Verkäuferinnen schleppten Schuhkarton über Schuhkarton aus dem Lager herbei, während man selbst gemütlich auf einem Hocker saß und einen Schuh nach dem anderen anprobierte. 2013 ist man in vielen Läden schon dankbar, wenn man als Kunde oder Kundin überhaupt wahrgenommen wird. Aber das ist heute nicht mein Thema.

Mein Thema ist die Suche nach der richtigen Schuhgröße. Als Erwachsener kennt man sie ja irgendwann, aber wenn man für Kinder Schuhe kauft, wird’s meist schwierig. Das Talent, am Drücken auf die Schuhspitze zu erkennen, ob der Schuh passt, ist bei mir evolutionstechnisch nicht angelegt. Ich habe mich lieber immer auf die Verkäuferin verlassen, zumal meiner Tochter alle Schuhe „gepasst“ haben, auch wenn sie noch so zu klein waren. Kinder sind da keine besonders gute Hilfe. 😉

Bei der Recherche zu diesem Artikel bin ich auf die Tatsache gestoßen, dass es noch bis in die 60er-Jahre üblich war, die Füße beim Schuhkauf zu röntgen. Ich kann mich daran nicht erinnern. Ich erinnere mich nur an «Lurchi». Er war der eigentliche Grund, warum ich als Kind immer gerne neue Schuhe haben wollte.

Kinderfüße

Kinderfüße beim Schuhkauf röntgen?
Anno dazumal war das Normalität.

Bild: Dr. Leonora Schwarz/pixelio.de

Wenn man sich überlegt, wie viele Gedanken wir uns heutzutage zum Thema Röntgen machen, mutet dieses Relikt aus vergangener Zeit schon ziemlich skurril an. Die Apparatur hieß «Pedoskop», wurde 1920 erstmals in Boston auf einer Messe für Schuhhändler vorgestellt und angeblich von Clarence Karrer erfunden. Es war also keine technische Eintagsfliege, sondern wurde über Jahrzehnte zur Überprüfung der Passform von Schuhen eingesetzt. Irgendwann hat die Wissenschaft dann herausgefunden, dass Röntgen auch Risiken birgt und keineswegs inflationär angewendet werden sollte. Daraufhin verschwanden die Apparaturen im Keller.

Hat jemand so einen Apparat noch „live“ erlebt? Und gibt es «Lurchi» noch? Über Feedback würde ich mich freuen.

GASTBEITRAG USCHI

16 thoughts on “Schuhkauf anno dazumal: Einmal Röntgen bitte!

  1. Christel

    hallo Uschi,
    leider kann ich da nicht mitreden. Ich kenne diese Geräte nicht. Habe früher bei Dismer Schuhe gekauft und es wurde immer nur vorne an den Zehen gedrückt und es gab ein Gerät, wo man den bestrumpften Fuss auf einer Scala abgemessen hat. Ist das der Lurchi?????
    Christel

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    1. Uschi Post author

      Das ist LURCHI: http://de.wikipedia.org/wiki/Lurchi

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      1. Dieter

        Hi Uschi!

        An dieses Gerät kann ich mich noch gut erinnern. Im Stammschuhgeschäft der Familie Deichmann in Essen-Borbeck stand so ein Gerät. Wir Kinder fanden es witzig, dass wir unsere Zehen im Schuh sehen konnten. So sind wieder und wieder auf dieses Gerät gehüppt und haben uns verstrahlt. Tja, so war das halt mit der Fortschrittsgläubigkeit in 50er und 60er Jahren. Das mit dem Lurchi stimmt auch. Es war ein Werbeheft von Salamander.

        Gruß
        Dieter

  2. Uschi R.

    Hallo Uschi,

    ich habe diesen Apparat als Kind noch kennen gelernt. Auch ich habe meine Schuhe bei Dismer gekauft bekommen. Dabei musste ich meinen Fuß auf eine Platte stellen, die Hacke fest in eine dafür vorgesehene Ausbuchtung gedrückt. Soweit ich mich erinnere, konnte die Verkäuferin damit die passende Schuhgröße feststellen. Lurchi die Eidechse war die Titelfigur von kleinen Geschichten rund um den Schuh. Wir Kinder bekamen das Heft immer zur Belohnung, weil wir beim Schuhkauf so „brav“ waren. Ob es so etwas heute noch gibt, weiß ich nicht.
    Uschi

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  3. Hildegard

    Hallo Uschi,

    Ich habe den Röntgen-Apparat nicht kennengelernt. Wir kauften unsere Schuhe bei Deichmann in Essen-Borbeck. Ich glaube, das war der Stammladen in der Geschichte des Unternehmens. Man ließ sich ausführlich von fachkundigen Verkäuferinnen beraten, die dann im Zweifelsfall durch Druck auf die Schuhspitze feststellten, ob der Schuh wirklich passte. An Lurchi kann ich mich gut erinnern und freute mich bei jedem Schuhkauf über das Heft.
    Hildegard

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  4. Hajott

    Hi Uschi,

    an Lurchi kann ich mich auch noch erinnern. Die Hefte habe ich geliebt und deshalb auch das Schuhekaufen. 🙂

    Aber an das Röntgengerät erinnere ich mich nicht, zumindest nicht bewusst. Du etwa? Wir beide sind ja fast der selbe Jahrgang, ne? 🙂

    Bei mir wurden die Füße mit so einer Art Mess-Schablone vermessen, Breite und Länge; und danach wurden dann die entsprechenden Schuhe ausgesucht.

    LG
    Hajott

    Reply
    1. Uschi Post author

      Hallo mein Lieber,
      ja, ganz taufrisch sind wir beide nicht mehr 😉

      Ich kenne auch nur das mit der Schablone. Das gibt es ja heute noch. Füße röntgen war dann doch vor unserer Zeit. Da habe ich vorher auch noch nie was von gehört. Aber bei hiogi lernt man halt immer dazu. Danke für Deinen Kommentar. Und für die anderen natürlich auch.

      Reply
  5. Gertrud

    Mein Vater ging gerne für mich bei Salamander Schuhe kaufen. Dabei interessierten mich weniger die Schuhe, sondern die Hefte von Lurchi, dem Feuersalamander. Meine Füße wurden nicht geröntgt, sondern nur mit der Schablone vermessen.

    Aus Angst vor der Verknappung Ende der 30er Jahre wurden die Schuhe eine Nummer größer gekauft. Den Röntgenapparat habe ich selbst nie gesehen; habe aber davon gehört.

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  6. Heidi

    Hallo Uschi,
    ich bin Jahrgang 1953 und kann mich sowohl an die Röntgengeräte als auch an Lurchi erinnern. Anfang der 60iger Jahre wurden sie in Graz (Österreich) noch verwendet. Uns Kindern hat es immer gefallen, wenn wir in das Gerät gestellt wurden und die Verkäuferin und die Mutter durften hineinschauen. Es gab auch noch ein Kinderkarussell in der Schuhabteilung. Beides ist dann still und heimlich verschwunden.
    LIebe Grüße aus Graz,
    Heidi

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  7. Hans

    Aber Hallo! Ich kann mich noch aus meiner Kindheit (bin jetzt mitte 60) an das Gerät erinnern. Das war das Gerät damals zum Füße messen. Später kamen die Hocker mit der Schräge. Da kamen die Füße mit den Schuhen rauf. Die Verkäuferin saß davor und zog den Schuh an. Hocker ewig nicht mehr gesehen. Und die beratende Verkäuferin? Träume.

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  8. Hans

    Ich vergaß eben: Natürlich auch Lurchi. Lurchis Abenteuer bei Salamander. Ich liebte die Hefte. Meistens bekam man leider nur ein Heft wenn Schuhe gekauft wurden (mag Filialabhängig gewesen sein). Gibt es die Hefte noch? Wäre was für mein Enkelkind. Ich muss doch mal nachfragen. Überhaupt nicht mehr daran gedacht.

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  9. Ronny

    Ich weiß noch genau, wie meine Mutter mit mir zu Salamander in Hamburg ging, um Schulhe zu kaufen. Während sie mit der Verkäuferin Schuhe aussuchte, habe ich am Röntgengerät gespielt, meine Zehen bewegt und mir das angeschaut. Das war richtig schön und eindrucksvoll! Bestimmt habe ich mir das bei jedem Einkauf mindestens 10 Minuten angeschaut – an sich müssten meine Zehen heute abfallen, verglichen mit dem Sicherheitsaufwand, wenn heute ein Röntgenbild in Bruchteilen von Sekunden gemacht wird.
    Die Geräte hatten vorne einen Schlitz, durch den man als Kind sehen konnte. Der Blick war lange nicht so gut wie durch die „Fenster“ von oben oder von der Seite. Aber durch die konnte ich leider nur schauen, wenn ich hochgehoben wurde (also konnte ich dann nicht meine Füße sehen, sondern die meiner Mutter, die das Gerät natürlich auch verwendete).
    Meinetwegen können sie die Geräte heute wieder aufstellen, meine Füße sind noch dran und ok.

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  10. Michael Hammerschmitt

    Na klar kenne ich die noch, bin Jahrgang 1948. War immer eine tolle Sache mit der Großmutter in Bad Homburg bei Salamander Schuhe zu kaufen. Zum einen gab es dann ein Lurchi-Heft, mit etwas Glück auch eine kleine Figur. Aber das Ausmessen der richtigen Schuhgröße mit dem Röntgenapparat war der Knaller, viele Schuhe anprobieren und dann von oben auf die wackelnden Zehen geschaut. Unvorstellbar bei der heutigen „So wenig wie möglich Röntgen-Hysterie“… Geschadet hat es nicht…

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  11. Bernie

    In Mannheim gab es ebenfalls so ein Gerät; in den Fünfzigerjahren fand ich es absolut cool, bei Salamander meine Fußknochen zu sichten.

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  12. Jürgen Kinas

    Bei Deichmann in Essen auf der Limbecker gab es eine Holzrutsche und den Holzkasten mit dem Röntgenapparat.
    Da konnte mann in den Schuhen die Zehen mit den Knochen bewundern, oben reingucken, grünliches Bild. Und man konnte das so oft machen wie man wollte. War damals 6 – 8 Jahre alt, also 1964 +x.

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  13. Erich

    Bingo! Ich kann mich auch noch an dieses beeindruckende Bild „Graue Fußknochen auf grün-gelbem Grund“ erinnern. Das war in Bamberg (Salamander?) vor meiner Schulzeit, also 1965-1967. Lurchi kommt mir bekannt vor, hat mich aber nicht interessiert – eher die bunten Flexi-Disks, die man sich nach dem Einkauf aus den Papiertüten fischen und auf Mutters Plattenspieler anhören konnte.

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