Sind für mein T-Shirt Menschen gestorben?

By | 10. 05. 2013

Dies soll kein Artikel „mit dem erhobenen Zeigefinger“ sein. Aber beim Blick in mein neues s.Oliver T-Shirt bin ich doch ins Grübeln gekommen. „Made in Bangladesh“ steht da auf dem eingenähten Etikett. Im Hinblick auf die schrecklichen Ereignisse der letzten Tage, mache ich mir da doch so meine Gedanken. Es ist ja nicht das erste Mal, dass von verheerenden Arbeitsbedingungen und Unglücken in asiatischen Ländern berichtet wird.

Sind für mein T-Shirt Menschen gestorben? Ich kaufe ganz bewusst nicht bei KiK und Primark, aber so wie es aussieht, lassen nicht nur diese absoluten Billigmarken in Bangladesch fertigen. Heißt es im Umkehrschluss, dass man komplett auf Ökolabel umsteigen muss, um kein schlechtes Gewissen zu haben?

„Der Kunde verlangt nach billiger Ware“ heißt es ja gerne bei den Herstellern. Ich frage mich da schon immer, wer eigentlich „der Kunde“ ist. Ich bin gerne bereit, etwas mehr zu bezahlen, wenn ich wüsste, dass dieses Geld auch vor Ort bei den Näherinnen ankommt. Aber wenn es egal ist, ob ich für ein T-Shirt 10 Euro oder 80 Euro bezahle – wo bleibt dann meine Wahl? Auch die großen Modelabel haben schon längst die Billiglohnländer als Produktionsstätten entdeckt. Mich macht das ziemlich ratlos und ich würde mir mehr Transparenz wünschen.

Logo mit der Aufschrift mehr Transparenz

Bangladesch ist überall.
Meine Forderung: Mehr Transparenz!

Bild: Gerd Altmann/pixelio.de

Firmen wie s.Oliver, H&M oder Esprit etc. wären in meinen Augen gut damit bedient, offen über die Produktionsbedingungen zu kommunizieren. Eine „reine Weste“ kann sich als entscheidender Vorteil gegen Mitbewerber herausstellen. Gerade im Zeitalter von Web 2.0 sollte man die Macht der Kunden nämlich nicht unterschätzen.

Wie ist Eure Meinung dazu?

GASTBEITRAG BEATE

5 thoughts on “Sind für mein T-Shirt Menschen gestorben?

  1. Simon

    Nach dem Artikel habe ich mal an mir runter geschaut und ein T-Shirt von s.Oliver an mir entdeckt. Da wird einem schon anders. Ist etwas über die Produktionsbedingungen von s.Oliver bekannt?

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    1. Beate Post author

      Ich habe natürlich mal nachgefragt:
      s.Oliver hat geschrieben: „Hallo Beate, Bangladesch ist einer der wichtigen Beschaffungsmärkte, in denen wir produzieren lassen. Nicht zuletzt wegen der schrecklichen Ereignisse, die auch uns schwer betroffen gemacht haben, verstehen wir deine Bedenken. Auch wenn es schwer fällt dies zu glauben, möchten wir dir dennoch mitteilen, dass nur wenige Produzenten in Bangladesch so menschenverachtend handeln wie die in letzter Zeit durch die tragischen Ereignisse in die Schlagzeilen geratenen Fabriken, in denen übrigens zu keiner Zeit s.Oliver Produkte gefertigt wurden. Du kannst dir unseres Bewusstseins sicher sein, dass wir besonders in diesen Ländern Verantwortung tragen. Deshalb gibt es ein s.Oliver eigenes und weltweites Team, das die Einhaltung von Sozialstandards bei unseren Lieferanten kontrolliert. Allerdings kann man in Bangladesch, das sich gerade erst auf den Weg in die Industrialisierung gemacht hat, nicht davon ausgehen, dass sich über Jahre gewachsene Strukturen und kulturell sowie sozial bedingte Missstände von einem auf den andern Tag aus der Welt räumen lassen. Insbesondere in einem Land, in dem über 75 Prozent des Bruttoinlandprodukts vom Export textiler Erzeugnisse abhängen, sind eine Menge Interessen von jeder Veränderung dieses Sektors betroffen. Hoffentlich kannst du dein T-Shirt jetzt auch weiterhin mit einem guten Gefühl tragen. Bei weiteren Fragen wende dich gerne an facebook@de.soliver.com und wir versuchen dir alle Fragen zu beantworten. Viele Grüße von deinem s.Oliver Team“

      Zumindest gab es ein Feedback. Aber richtig schlauer machen einen solche (Standard)Antworten auch nicht …

      Und noch ein Feedback: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, euch in Zukunft transparenter und proaktiv über nachhaltige Themen zu informieren. Bis dahin bitten wir dich noch um etwas Nachsicht mit uns.“

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      1. betty

        Danke fürs nachfragen und zur Verfügung stellen der Antwort. Klar, weiß man nicht, was tatsächlich die Wahrheit ist. Die Antwort lässt ja eigentlich vieles offen… Aber ich weiß auch, dass es schon einige große Firmen gibt, die sich auch im sozialen und bei Umweltthemen sehr vorbildlich verhalten und auch engagieren. Wie z.B. auch esprit. Nach dem Motto wer viel hat kann auch viel gutes tun.

  2. Hildegard

    Gestern war ich mit 2 Freundinnen in der Innenstadt von Essen unterwegs. Auf der Kettwiger Str. kamen uns Scharen von Teenies entgegen, die an diesem Brückentag auf Shopping-Tour waren, alle mit Primark-Tüten beladen. Das veranlasste eine meiner Freundinnen zu der Bemerkung, Primark sei noch billiger als KIK, und diese Feststellung führte uns zu weiteren Gedanken über Textilherstellung heute und darüber, wie sich unsere Einstellung zur Mode und unser Kaufverhalten als „ältere Damen“ gegenüber früheren Zeiten geändert haben.

    Übrigens las ich heute in der WAZ, dass Primark gestern zeitweise wegen Überfüllung schließen musste, da der Andrang zu groß war.

    Als ich den Beitrag von Beate gelesen hatte, machte ich mir auch so meine Gedanken über die Herkunft meiner Textilien. Ich kaufe zwar nicht in Billigläden, sondern meine Oberbekleidung seit Jahren in einem kleinen Laden, wo ich gut bedient und beraten werde. Trotzdem habe ich einige der Marken mal gegoogelt, konnte aber keinen Hinweis auf Herstellungsorte finden, bei einer Marke sprachen sogar eher Anzeichen dafür, dass sie in Deutschland produzieren lässt. Aber wer weiß? Da es heißt, dass auch große Modelabels Billiglohnländer als Produktionsstätten nutzen, wäre ich auch dafür, dass man sich generell darüber informieren könnte, wo die betreffende Firma arbeiten lässt.

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  3. Simon

    Ein schöner ANFANG: http://www.cleanclothes.org/news/press-releases/2013/05/13/ccc-welcomes-h-m-and-inditex-decision-to-sign-legally-binding-accord-on-fire-and-building-safety-in-bangladesh

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