Pflegestufen: Infos für Betroffene und Angehörige

By | 28. 02. 2013

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

im Beitrag möchten wir uns ausführlich mit dem Thema „Pflegestufen“ beschäftigen, da uns zu diesem immer viele Fragen erreichen. Unsere Infos sind gleichermaßen für Betroffene und Angehörige gedacht.

Einleitend möchten wir einige Begrifflichkeiten näher erläutern, die für das Verständnis des Beitrages wichtig sind. Anschließend werden wir uns dann der genaueren Beschreibung der Pflegestufen widmen. Wobei wir nicht nur die nach § 15 Sozialgesetzbuch XI bekannten Pflegestufen 1, 2 und 3 behandeln möchten, sondern auch auf die Härtefallregelung und die „Pflegestufe 0“ eingehen möchten.

Pflegestufen: Infos für Betroffene und Angehörige

Pflegestufen: Infos für Betroffene und Angehörige

Bild: Gerd Altmann/pixelio.de

Bei Pflegegeld handelt es sich um Geld, das eine pflegebedürftige Person bei der Pflegekasse beantragt um ihre grundpflegerische und hauswirtschaftliche Unterstützung eigenständig sicherzustellen z.B. durch die Unterstützung von Angehörigen oder Nachbarn.

Bei Pflegesachleistungen handelt es sich um Leistungen für eine pflegebedürftige Person, die durch professionelle Einrichtungen oder Pflegepersonen erbracht werden (z.B. ein ambulanter Pflegedienst), die einen Versorgungsvertrag mit den Pflegekassen haben.

Pflegegeld und Pflegesachleistungen können kombiniert werden, werden dann aber anteilig verrechnet.

Zusätzlich ist es möglich bei eingeschränkter Alltagskompetenz in häuslicher Pflege Betreuungsgeld in Anspruch zu nehmen.

Für die Bewertung von eingeschränkter Alltagskompetenz sind nach §45a Sozialgesetzbuch XI folgende Schädigungen oder Fähigkeitsstörungen maßgeblich:

  • Unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereichs (Weglauftendenzen)
  • Verkennen oder verursachen gefährdender Situationen
  • Unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potenziell gefährdenden Substanzen
  • Tätliches oder verbal aggressives Verhalten in Verkennung der Situation
  • Im situativen Kontext inadäquates Verhalten (z.B. ständiges An- und Auskleiden)
  • Unfähigkeit, die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle oder Bedürfnisse wahrzunehmen und/oder auszudrücken (z.B. Schmerzlokalisation)
  • Unfähigkeit zu einer erforderlichen Kooperation bei therapeutischen oder schützenden Maßnahmen als Folge einer therapieresistenten Depression oder Angststörung
  • Störungen der höheren Hirnfunktionen (Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen), die zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen geführt haben
  • Störung des Tag-/ Nacht-Rhythmus
  • Unfähigkeit, eigenständig den Tagesablauf zu planen und zu strukturieren
  • Verkennen von Alltagssituationen und inadäquates Reagieren in Alltagssituationen
  • ausgeprägt labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten
  • zeitlich überwiegend Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit aufgrund einer therapieresistenten Depression

Pflegestufe 1 (erhebliche Pflegebedürftigkeit)

Personen, die täglich bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für mindestens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen Hilfe bedürfen und gleichzeitig mehrfach die Woche Hilfe bei hauswirtschaftlichen Verrichtungen benötigen, erhalten die Pflegestufe 1.

Der tägliche Hilfebedarf muss mindestens 90 Minuten betragen, wobei die Grundpflege dabei mehr als 45 Minuten umfassen muss. Die Grundpflege besteht aus drei Bereichen: Mobilität (z.B. An- und Auskleiden, Treppensteigen), Ernährung (z.B. Essen anreichen) und Körperpflege (z.B. Duschen, Kämmen).

Pflegesachleistungen (nach §36 Sozialgesetzbuch XI): monatlich 450 Euro

Pflegesachleistungen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (nach Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz): 665 Euro

Pflegegeld (nach §37 Sozialgesetzbuch XI): monatlich 235 Euro

Pflegegeld mit eingeschränkter Alltagskompetenz (nach Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz): 305 Euro

Betreuungsgeld bei eingeschränkter Alltagskompetenz in häuslicher Pflege (nach §45b Sozialgesetzbuch XI): monatlich 100 oder 200 Euro (nach Empfehlung des MDK)

Pflegestufe 2 (Schwerpflegebedürftige)

Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten Hilfe bedürfen und gleichzeitig mehrfach in der Woche Hilfe bei hauswirtschaftlichen Verrichtungen benötigen, erhalten die Pflegestufe 2.

Der tägliche Hilfebedarf muss mindestens drei Stunden betragen, wobei die Grundpflege dabei mindestens zwei Stunden umfassen muss. Die Grundpflege besteht aus drei Bereichen: Mobilität (z.B. An- und Auskleiden, Treppensteigen), Ernährung (z.B. Essen anreichen) und Körperpflege (z.B. Duschen, Kämmen).

Pflegesachleistungen (nach §36 Sozialgesetzbuch XI): monatlich 1100 Euro

Pflegesachleistungen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (nach Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz): 1250 Euro

Pflegegeld (nach §37 Sozialgesetzbuch XI): monatlich 440 Euro

Pflegegeld mit eingeschränkter Alltagskompetenz (nach Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz): 525 Euro

Betreuungsgeld bei eingeschränkter Alltagskompetenz in häuslicher Pflege (nach §45b Sozialgesetzbuch XI): monatlich 100 oder 200 Euro (nach Empfehlung des MDK)

Pflegestufe 3 (Schwerstpflegebedürftige)

Personen, die täglich rund um die Uhr Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung und Mobilität sowie mehrfach in der Woche Hilfe bei hauswirtschaftlichen Verrichtungen benötigen, erhalten die Pflegestufe 3.

Der tägliche Hilfebedarf muss mindestens fünf Stunden betragen, wobei die Grundpflege dabei mindestens vier Stunden umfassen muss. Die Grundpflege besteht aus drei Bereichen: Mobilität (z.B. An- und Auskleiden, Treppensteigen), Ernährung (z.B. Essen anreichen) und Körperpflege (z.B. Duschen, Kämmen).

Pflegesachleistungen (nach §36 Sozialgesetzbuch XI): monatlich 1550 Euro

Pflegegeld (nach §37 Sozialgesetzbuch XI): monatlich 700 Euro

Pflegegeld und Pflegesachleistungen bleiben auch mit eingeschränkter Alltagskompetenz gleich

Betreuungsgeld bei eingeschränkter Alltagskompetenz in häuslicher Pflege (nach §45b Sozialgesetzbuch XI): monatlich 100 oder 200 Euro (nach Empfehlung des MDK)

Härtefallregelung (auch: Pflegestufe 3+)

Personen, die die Voraussetzungen der Pflegestufe 3 erfüllen und bei denen ein außergewöhnlich hoher bzw. intensiver Pflegeaufwand vorliegt, können die Härtefallregelung in Anspruch nehmen.

Es dürfen nur 3% der versicherten Pflegebedürftigen, die zu Hause gepflegt werden, diese Härtefallregelung in Anspruch nehmen.

Als Voraussetzung hierfür gilt:

  • Die Hilfe bei der Grundpflege muss täglich mindestens sechs Stunden einnehmen und davon muss mindestens dreimal in der Nacht Unterstützung benötigt werden.

Oder

  • Die Grundpflege des Pflegebedürftigen kann auch nachts nur von mehreren Pflegekräften zeitgleich erbracht werden.

Beispiele, die zu einem außergewöhnlich hohen oder intensiven Pflegeaufwand führen können:

  • Starkes Übergewicht (Adipositas)
  • Schwere Funktions- und Bewegungseinschränkungen von Gelenken (Kontrakturen)
  • Endstadien von schweren Erkrankungen (z.B. Krebs, AIDS)
  • Menschen im Wachkoma

Pflegesachleistungen (nach §36 Sozialgesetzbuch XI): monatlich 1918 Euro

Pflegestufe 0 (auch: Heimbedürftigkeitsbescheinigung)

Die Pflegestufe 0 gibt es als Begriff im SGB XI nicht. Er wird hauptsächlich in der Umgangssprache genutzt und bezeichnet Personen, die die Voraussetzungen für die Pflegestufe 1 nicht erfüllen, aber eine eingeschränkte Alltagskompetenz nach §45a Sozialgesetzbuch XI vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK) bescheinigt bekommen haben.

Die Bezeichnung „Heimbedürftigkeitsbescheinigung“ resultiert aus dem Umstand, dass eine Vielzahl von stationären Einrichtungen nur Personen aufnehmen dürfen, denen durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK) bescheinigt wurde, dass eine vollstationäre Pflege erforderlich ist.

Pflegesachleistungen (nach Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz): monatlich 225 Euro

Pflegegeld (nach Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz): monatlich 120 Euro

Betreuungsgeld in häuslicher Pflege (nach §45b Sozialgesetzbuch XI): monatlich 100 oder 200 Euro (nach Empfehlung des MDK)

Wir hoffen, dass Ihnen unsere Infos zum Thema „Pflegestufen“ weitergeholfen haben. In Zukunft werden wir in regelmäßigen Abständen Beiträge für Betroffene und Angehörige veröffentlichen. Über Fragen und Feedback freuen wir uns immer.

One thought on “Pflegestufen: Infos für Betroffene und Angehörige

  1. Markus

    Ich gehöre zur Gruppe der Angehörigen (auch wenn man da aus meienr Sicht ebenso betroffen ist) und wollte mich erkundigen, wie das mit Betreutem Wohnen aussieht. Also ob es Geld gibt, wenn ja wie viel, ob es eine Pflegestufe voraussetzt, oder was generell zu beachten ist. Gerne auch Meinungen zu der Einrichtung im speziellen, die ich für meine Eltern ins Auge gefasst habe: alteglaserei.de. Die Pflege wird da von der Arbeiterwohlfahrt übernommen, und mit der haben wir im größeren Familienkreis gute Erfahrungen gemacht, deswegen wäre das aktuell meine erste Wahl). Danke schonmal an alle, die weiterhelfen können!

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