Pflegetagebuch: Der Weg zur Pflegestufe

By | 04. 04. 2013

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

in unserem letzten Beitrag haben wir uns ausführlich mit dem Thema Pflegestufen beschäftigt. Heute möchten wir Ihnen gerne Tipps an die Hand geben, wie Sie sich nach Beantragung einer Pflegestufe bestmöglich auf den Besuch des MDK vorbereiten können.

Für die Einschätzung zur Pflegestufe wird sich der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) bei Ihnen melden, um einen Termin für einen Hausbesuch zu vereinbaren. Der MDK ist eine Gemeinschafts-einrichtung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, welcher überprüft, ob die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Pflegestufe erfüllt sind. Er empfiehlt dann der Pflegekasse die Höhe der Einstufung und gegebenenfalls Präventions- oder Rehabilitationsmaßnahmen. Endgültig entscheidet die Pflegekasse über die Höhe der Pflegestufe.

geöffneter Ordner

Der Weg zur Pflegestufe ist lang.
Gute Vorbereitung ist wichtig.

Bild: siepmannH/pixelio.de

Wenn der MDK zu Besuch kommt, sollten Sie folgende Unterlagen griffbereit haben:

– aktuelle Angaben zu bestehenden Krankheiten und Vorerkrankungen (bspw. aus Arzt- oder Krankenhausentlassungsberichten)

– Angaben zu allen behandelnden Ärzten und die Häufigkeit der Arztbesuche

– Angaben zur derzeitigen Medikation

– Angaben zu vorhandenen und ggf. beantragten Hilfsmitteln

– Angaben zu benötigten Therapien (z.B. Ergo-, Logo- oder Physiotherapie)

– Angaben zu Krankenhausaufenthalten, Kuren oder Rehabilitationsmaßnahmen

– Betreuungen durch Einrichtungen (z.B. Tagespflege), Ehrenamtliche oder einen ambulanten Pflegedienst

– Pflegedokumentation und ggf. Anwesenheit einer Pflegefachkraft beim MDK-Besuch (falls ein ambulanter Pflegedienst die Pflege unterstützt)

– Pflegetagebuch

Für eine Einschätzung des Pflegebedarfs interessiert den Prüfer des MDK die nötige Unterstützung in folgenden Bereichen: Nahrungszubereitung und -aufnahme, Ausscheidung, Körperpflege und Kleiden sowie der Bewegung.

Es ist sehr wichtig, dass die Fragen des Gutachters, auch wenn dieser unangenehme Fragen stellt, wahrheitsgemäß beantwortet werden und möglichst keine Beschönigungen des Hilfebedarfs stattfinden. Sie oder Ihr Angehöriger erhalten die Pflegestufe nur, wenn der Prüfer auch einen Hilfebedarf erkennen kann. Das Beantworten von unangenehmen Fragen (z.B. nötige Hilfen beim Toilettengang) oder das Benennen von Problemen kann man sehr gut mit Hilfe eines Rollenspiels üben.

Tagebuch

Ein Pflegetagebuch dokumentiert die täglichen Hilfen.

Bild: siepmannH/pixelio.de

Das Pflegetagebuch

Zweck
Mit Hilfe des Pflegetagebuches sollen erbrachte Pflegeleistungen deutlich gemacht werden. Einerseits gibt es den pflegenden Angehörigen die Möglichkeit bei der Pflegestufenbegutachtung nachzuweisen, wo sie den zu Pflegenden unterstützen, andererseits zeigt es den pflegenden Angehörigen, welche Leistungen sie tatsächlich erbringen. Häufig werden kleine Handreichungen oder nötige Hilfen als selbstverständlich hingenommen.

Generell ist es nicht von Nöten im Alltag ein Pflegetagebuch zu führen. Vor einer bevorstehenden Begutachtung bietet es sich aber an, dieses ein oder zwei Wochen zu führen. Dadurch wird die erbrachte Leistung der Pflegeperson schnell und übersichtlich dargestellt.

Für Pflegetagebücher gibt es bereits eine Vielzahl von Vordrucken. Diese können Sie z.B. auf der Internetpräsenz Ihrer Pflegekasse finden. In diesen finden sich meistens auch Hinweise für die zeitlichen Richtwerte, die die Pflegekasse für pflegerische Verrichtungen ansetzt.

Natürlich können Sie auch selbstständig ein Pflegetagebuch entwerfen, jedoch finden sich in den Vordrucken der Pflegekasse alle wichtigen Begriffe, die die Zuordnung einer Pflegestufe für den Prüfer und die Pflegekasse erleichtern.

Bestandteile
Das Pflegetagebuch besteht hauptsächlich aus einer Tabelle in der die erforderliche Hilfe, der Zeitaufwand in Minuten und die Form der Hilfestellung eingetragen werden.

Weiterhin sollte man aufführen, ob es Punkte gibt, die die Pflege erschweren.

Dazu gehören:

– Hohes Körpergewicht (über 80 kg)

– Versteifung der Arm- und Beingelenke / eingeschränkte Beweglichkeit (Kontrakturen)

– Stark verkrampfte Muskulatur (z.B. Lähmungen)

– Fehlstellungen von Armen / Beinen

– Eingeschränkte Belastbarkeit (z.B. schwere Herzschwäche mit Luftnot und Wassereinlagerungen)

– Schluck- und/oder Atemstörungen, Störungen der Mundbewegung

– Abwehrverhalten / fehlende Kooperation mit Behinderung der pflegerischen Tätigkeit (z.B. bei Demenzerkrankung)

– Stark eingeschränkte Sinneswahrnehmungen

– Starke therapieresistente Schmerzen

– Pflegebehindernde räumliche Verhältnisse

– Zeitaufwendiger Hilfsmitteleinsatz (z.B. Liftereinsatz)

Der in der Tabelle anzugebene Hilfebedarf setzt sich aus fünf Bereichen zusammen:

– Körperpflege

– Darm- und Blasenentleerung

– Ernährung

– Mobilität

– Hauswirtschaftliche Versorgung (diese wird von der Pflegeversicherung nicht berücksichtigt)

Sollten Besonderheiten bei gewissen pflegerischen Tätigkeiten auftreten oder Sie sehr häufig kleine Handreichungen machen, ist es sinnvoll diese im Pflegetagebuch aufzuführen (z.B. Schmerzempfindlichkeit beim Transfer vom Bett zum Rollstuhl).

Begrifflichkeiten zur Hilfestellung
Ein weiterer wichtiger Punkt im Pflegetagebuch ist die Form der Hilfestellung. Die Pflegekasse unterscheidet hierbei zwischen Unterstützung, Teilübernahme, vollkommener Übernahme sowie Anleitung und Beaufsichtigung.

Unterstützung (U)

Unterstützung bedeutet, dass ein Pflegebedürftiger etwas grundsätzlich selbst durchführen kann, jedoch eine Unterstützung von Nöten ist.

Beispiel: Der Pflegebedürftige kann sich seine Brote selbstständig belegen, benötigt aber Unterstützung beim Decken und Abräumen des Tisches.

Teilweise Übernahme (TÜ)

Der Pflegebedürftige benötigt Hilfe zur Vollendung einer selbstständig erledigten Verrichtung, d.h. die Pflegeperson muss Teile einer Verrichtung des täglichen Lebens für den Pflegebedürftigen übernehmen.

Beispiel: Der Pflegebedürftige wäscht sich Oberkörper und Gesicht. Die Pflegeperson übernimmt das Waschen vom Unterkörper.

Vollständige Übernahme (VÜ)

Die Pflegeperson übernimmt eine Verrichtung des täglichen Lebens, da der Pflegebedürftige diese nicht durchführen kann.

Beispiel: Die Pflegeperson kämmt und frisiert den Pflegebedürftigen.

Anleitung und Beaufsichtigung (A/B)

Die Hilfe umfasst die Anleitung und Beaufsichtigung des Pflegebedürftigen bei einer Verrichtung des täglichen Lebens. Dieser Punkt ist besonders wichtig bei geistig und seelisch Behinderten, psychisch Kranken und geistig verwirrten Menschen.

Beispiel: Die Pflegeperson muss dem Pflegebedürftigen den Einsatz einer Zahnbürste bei der Mundpflege erklären und beim Zähneputzen anwesend sein, obwohl der Pflegebedürftige keine körperlichen Einschränkungen hat, welche ihn an der Mundpflege hindern könnten.

Wenn Sie ein Pflegetagebuch führen, sollten Sie auch darauf achten, dass Sie die Zeiten (d.h. wann Pflege stattfindet) genau aufführen. Für die Pflegestufeneinschätzungen sind nächtliche Unterstützungen von Bedeutung. Als Nacht gilt der Zeitraum zwischen 22 und 6 Uhr.

One thought on “Pflegetagebuch: Der Weg zur Pflegestufe

  1. Klaus

    Vielen Dank und Respekt für den ausführlichen und informativen Beitrag. Die Tipps sind wirklich sehr hilfeich. Vielen Dank.

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