Ferien dürfen auch mal doof sein. Zumindest zeitweilig.

By | 30. 07. 2013

Wer kennt das nicht? Da freut man sich wie ein Schneekönig auf den gemeinsamen Jahresurlaub und dann gerät man sich schon am zweiten Tag in die Haare. Mich erinnert das immer an Weihnachten. Auch da soll alles perfekt sein. Schließlich ist Weihnachten und Weihnachten muss alles perfekt sein. Denn bei anderen ist (scheinbar) auch alles perfekt. Die anderen haben einen schöneren Baum, das Essen ist besser und der Esel in der Krippe des Nachbarn hat noch alle vier Beine.

Diese Aussage zum Thema «Perfektion an Weihnachten» entbehrt natürlich jeglicher wissenschaftlichen Beweiskraft. Ganz im Gegenteil: Der Drang zu Harmonie und Perfektion erzeugt oftmals erst das Chaos und kann im wohlverdienten Jahresurlaub am Strand gerne einmal total in die Hose gehen.

Die Devise muss also lauten:
Ferien dürfen auch mal doof sein. Zumindest zeitweilig.

Wenn man von vornherein die Erwartungen nicht zu hoch schraubt, wird man auch nicht enttäuscht und kann mit dem ein oder anderen Ärgernis oder Streit viel besser umgehen. Von Hundert auf Null herunterschalten ist für einen Automotor nicht gut und für die menschliche Spezies schon gar nicht. Entspannung auf Knopfdruck gibt es nur in den Hochglanzbroschüren der Reiseanbieter.

Sonnenuntergang am Meer

Wer in den Ferien Harmonie erzwingen will,
erleidet meist Schiffbruch.

Bild: Bernd Kasper/pixelio.de

Wie kann man sich auf die Ferien vorbereiten?
Was kann man im Vorfeld tun und was vor Ort?

Es beginnt bei der Reiseplanung. Will der eine ans Meer und der andere in die Berge, muss man sich irgendwo in der Mitte treffen. Sind Kinder zu berücksichtigen, wird es noch komplizierter. Am besten ist ein „runder Tischvor dem Urlaub. Jeder trägt seine Vorschläge vor und dann gilt es, einen tragfähigen Kompromiss zu finden.

Ferien sollten nicht zu großzügig geplant werden. Natürlich sind vier Wochen am Stück toll, aber für „ungeübte“ Paare eine echte Herausforderung. Wer daheim nur wenig gemeinsame Zeit verbringt, sollte erst einmal „klein“ anfangen.

Man muss kein Perfektionist sein, aber ein wenig Planung eliminiert im Vorfeld die schlimmsten Stressfaktoren und lässt einen entspannter reisen. Die Planung beginnt bei A wie Auto, geht über G wie Geld und V wie Versicherung und endet bei Z wie Zahnarzt (wer einmal im Urlaub von Zahnschmerzen geplagt wurde, kann den Buchstaben Z bestimmt nachvollziehen).

Sehr zu empfehlen sind „Puffertage“ vor und nach dem Urlaub. Urlaubstage sind kostbar, aber ein oder zwei Tage vor und nach dem Urlaub frei zu haben, entspannt die ganze Angelegenheit um ein Vielfaches. Aus dem Flieger quasi direkt zurück an den Schreibtisch ist keine gute Idee.

Pragmatische Menschen haben es auf Reisen leichter.

„Das Hotelzimmer beherbergt eine vorher nicht gekannte Käferart? Ist doch super, Biologie war schon immer mein geheimes Hobby.“

„Das Meer ist (anders als im Prospekt beschrieben) nicht direkt vor der Tür, sondern 2 km entfernt? Na bestens, ein bisschen Bewegung kann im Urlaub gar nicht schaden.“

„Der Badeanzug hat im Geschäft doch noch gepasst … Kein Problem, einfach ein schönes Tuch um die Hüften wickeln und das „Hüftgold“ ist verschwunden.“

Vieles kann man ändern, manches aber auch nicht. Wer das akzeptiert, kann den Urlaub besser genießen. Das heißt nicht, dass man Reisemängel hinnehmen sollte, aber muss gleich einen Kreuzzug beginnen, nur weil man ein Haar im Waschbecken gefunden hat?

Auch Streit ist im Urlaub erlaubt. Wer versucht, künstlich Harmonie zu verbreiten, scheitert meistens. Wenn man 14 Tage bei Regen in der Ferienwohnung „aneinandergekettet“ ist, kann schon mal der Haussegen schief hängen. Wichtig ist, dass man sich Freiräume lässt. Wenn es einmal verbal „kracht“, hilft eine vorübergehende Trennung. Nicht alles muss man zusammen machen. Kinder haben gerne Spaß ohne die Eltern, Ehemänner ohne die Ehefrauen, Schwiegersöhne ohne die Schwiegermütter. Wer Lust auf Strand hat, geht zum Strand – wer shoppen will, geht shoppen und wer schlafen will, macht ein Nickerchen.

Es hilft, wenn man am Vorabend den nächsten Tag grob vorplant; für spontane Umentscheidungen sollte aber immer Platz sein. Wer merkt, dass ihm etwas nicht gefällt, sollte es ansprechen. Kommunikation ist ein vielfach unterschätztes Mittel zur Problemlösung. 😉

Ferien dürfen auch mal doof sein. Zumindest zeitweilig.

Geschrieben von Uschi

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