Mein Fehmarn – Teil 3: Der Fährhafen von Puttgarden

By | 29. 05. 2013

Wenn man die Fehmarnsundbrücke als den Eingang nach Fehmarn bezeichnen möchte, dann wäre der Fährhafen in Puttgarden so was wie der Ausgang.

Genau wie die Fehmarnsundbrücke ist auch der Puttgardener Fährhafen ein Teil der 1963 eingeweihten Vogelfluglinie, wie man die Straßen- und Eisenbahnverbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen nennt. Wie ihr bereits wisst, kommt der Name daher, dass die Route in etwa den Reiserouten der Zugvögel folgt, die im Winter gen Süden fliegen und im Frühling/Sommer in die skandinavischen Brutgebiete zurückkehren.

Blick auf den Fährhafen Puttgarden

Blick auf den Fährhafen von Puttgarden

Von Puttgarden aus kann man mit der Fähre nach Rødbyhavn fahren, das liegt auf der dänischen Insel Lolland. Auf der Strecke verkehren so genannte Doppelendfähren, auch RoRo (Roll on, Roll off) genannt. Diese Schiffe bestehen im Prinzip vorn und hinten aus zwei identischen Hälften und können sowohl vorwärts wie auch rückwärts fahren. Das hat den Vorteil, dass ein Auto oder ein Zug vorwärts auf die Fähre fahren und diese dann am Zielhafen auch vorwärts fahrend verlassen kann. Außerdem können die Fähren mit beiden Enden anlegen und müssen nicht drehen. So geht das Entladen wesentlich schneller und komfortabler – und letztendlich ist es auch wirtschaftlicher.

Die Fähren verfügen über mehrere Decks, wobei das unterste Deck von der Eisenbahn und von LKWs genutzt wird, die darüber liegenden Decks von PKWs, Wohnmobilen, Wohnwagengespannen usw. Hierfür gibt es in beiden Häfen (also Puttgarden und Rødbyhavn) entsprechende Rampen, mit denen die Autos in die entsprechenden Decks geleitet werden können.

Aktuell fahren vier Fährschiffe auf der Route, zwei deutsche („Deutschland“ und „Schleswig-Holstein“) und zwei dänische („Prins Richard“ und „Prinsesse Benedikte“), im 30-Minuten-Takt, 24 Stunden rund um die Uhr. Die Überfahrt über den 19 km breiten Fehmarnbelt dauert 45 Minuten.

Wer nach Dänemark oder Schweden will, der kann im Prinzip nur zwei Routen wählen: Die Jütland-Route über Flensburg und das dänische Festland oder eben die Vogelfluglinie. Die Jütland-Route ist von der Strecke her länger, hat aber keine Fährverbindung, die mit Wartezeiten verbunden sein kann, sondern man kann hier komplett über Brücken und/oder durch Tunnels fahren.

Auch auf der Vogelfluglinie ist die Strecke Puttgarden-Rødbyhavn die einzige Fährverbindung; alle anderen Inseln sind durch Brücken oder Tunnels miteinander verbunden; inkl. Schweden über die Öresund-Brücke.

Vor allem auf Betreiben Dänemarks soll die Fährverbindung durch eine feste Beltquerung ersetzt werden – hierzu weiter unten noch mehr.

Das Hafengelände besteht im Prinzip aus einem riesigen Platz, wo die Autos auf die Abfertigung warten, mehreren Anlegern für die Schiffe inkl. der Rampen für die PKWs, einem speziellen Anleger, wo auch Züge aufs Schiff fahren können (bei einem Takt von 30 Minuten fährt nicht jedes Mal ein Zug mit) … und dem „Schnapsschiff“.

„Schnapsschiff“ – das ist meine persönliche Bezeichnung für den „Border Shop“, der im Hafen von Puttgarden betrieben wird. Es handelt sich hier um ein nicht fahrtüchtiges Schiff, welches fest im Wasser des Hafens befestigt ist. Es besitzt vier Etagen und ähnelt im Prinzip einem Kaufhaus – mit einem Unterschied: In einem Kaufhaus kriegt man alles Mögliche, auf dem Schnapsschiff – also im Border Shop – kriegt man vor allem eins: Alkohol in jeder nur erdenklichen Ausführung.

Bordershop Puttgarden außen

Bordershop im Hafen von Puttgarden
(Außenansicht)

4 Etagen voll mit Alk … nun ja, eigentlich sind es „nur“ 3 Etagen. Im Erdgeschoss gibt es nur Bier – und zwar wirklich alle Marken, die man sich vorstellen kann. Im ersten Stock gibt es Wein, Sekt und Champagner und im zweiten Stock gibt es die harten Sachen: Wodka, Whisky, Grappa, Obstler und was es sonst noch so gibt. In der vierten Etage kann man dann noch Süßigkeiten kaufen, in der Regel sind das dann Turnierpackungen ab 1 Kilo aufwärts. Also beispielsweise 2 Kilo Quality Street oder 1 Kilo Smarties.

Dass die Zielgruppe skandinavisch ist, sieht man schon daran, dass alle Preise in dänischen und schwedischen Kronen angegeben werden (und ganz klein darunter noch in Euro). Deutsche kaufen da kaum ein, denn 500 Meter weiter, bei Aldi & Co, ist das Zeug locker noch mal ein Drittel günstiger. Aber das ist den Dänen und Schweden egal. Die fahren über den Öresund runter nach Rødby, setzen mit der Fähre über, fahren einmal raus, dann rechts auf den Parkplatz – dann wird eingekauft und anschließend geht es sofort wieder zurück nach Hause. Es ist ein echtes Erlebnis, sich einfach mal für eine halbe Stunde neben den Ausgang zu stellen und zuzuschauen, welche Mengen die da in ihren Einkaufswagen hinaustransportieren. Eine wahre Pracht – ehrlich! Da kommen ganze Busse mit Anhängern (!), die dann vollbeladen wieder zurückfahren.

Bordershop Puttgarden innen

Bordershop im Hafen von Puttgarden
(Innenansicht)

Zurück zur festen Fehmarnbeltquerung: vor allem Dänemark und Schweden sind sehr stark daran interessiert, die „Lücke“ zwischen den Inseln Lolland und Fehmarn zu schließen. Denn eine durchgehende Straßen- bzw. Eisenbahnverbindung würde die Transportwege von Skandinavien nach Mitteleuropa nochmals deutlich verkürzen. Das heißt hier spielen vor allem wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Die geschätzten Kosten in Höhe von 5,5 Milliarden Euro werden zu einem überwiegenden Teil von Dänemark übernommen. Es ist eine Refinanzierung durch die Erhebung einer Mautgebühr in Höhe der Kosten für eine Schiffspassage geplant.

Im Prinzip ist die feste Beltquerung beschlossene Sache. Favorisierte man zunächst eine 19 km lange Brücke, so wird es nun wohl ein Tunnel am Meeresboden werden, der in Form eines „Absenktunnels“ realisiert werden soll. Hier spielen vor allem Umweltschutzgründe eine Rolle, denn der Fehmarnbelt ist eine der wichtigsten Stationen des Vogelzugs arktischer Wasservögel; und eine Brücke könnte die Vögel stark irritieren.

Es ist fraglich, ob es in Zukunft dann immer noch den Fährverkehr geben wird. Meine persönliche Meinung ist, dass die Tage der Fähren über den Fehmarnbelt gezählt sind. Denn aus wirtschaftlicher Sicht bietet die feste Beltquerung nur Vorteile: wesentlich verkürzte Transportzeiten bei gleichbleibenden Kosten.

Vielleicht werden eine Zeitlang beide Systeme nebeneinander existieren, und es wird immer Nostalgiker geben, die lieber mit der Fähre fahren wollen als sich in einen 19 km langen Tunnel unter dem Meer zu begeben – aber das wird nicht ausreichen, um den Fährbetrieb wirtschaftlich aufrecht zu erhalten.

So werden dann auch die Tage des Fährhafens in Puttgarden früher oder später gezählt sein.

Geschrieben von Otto

Teil 1: http://blog.hiogi.de/reise/mein-fehmarn-teil-1-ueber-die-fehmarnsundbruecke/
Teil 2: http://blog.hiogi.de/reise/mein-fehmarn-teil-2-leuchttuerme-auf-fehmarn/
Teil 4: http://blog.hiogi.de/reise/mein-fehmarn-teil-4-freizeitgestaltung-1/
Teil 5: http://blog.hiogi.de/reise/mein-fehmarn-teil-5-freizeitgestaltung-2/

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