Sind Ansichtskarten ein Relikt der Vergangenheit?

By | 12. 04. 2013

„Libe Mama. Mir geht es gut. Wie geht es dier? Das Essen ist lecker. Ich habe schon fiele Freunde. Libe Grüße deine Sabrina“

Solch einen Gruß haben bestimmt viele der älteren unter Euch schon einmal bekommen. Wenn Kinder auf Reisen geschickt wurden, waren die obligatorischen Ansichtskarten Pflicht. Perfekt organisierte Mütter versahen die Ansichtskarten mit Pferdemotiv oder Bärchen schon daheim mit Adresse und Briefmarke, damit es der Nachwuchs in der Kinderfreizeit einfacher hatte. Wenn man solch ein Relikt der Vergangenheit heute in irgendeiner Kiste wiederfindet, muss man doch schmunzeln (und das nicht nur wegen der etwas gewagten Orthografie). 😉

Ansichtskarten sind im Grunde ein frühes Facebook. Wer in der Welt herumkommt, wollte und will das auch zeigen. „Waaas? Tante Paula ist schon wieder auf Mallorca?“ oder „Jetzt guck dir das an, die Meiers sind auf den Malediven. Wo die bloß das Geld dafür herhaben?…“ An mancher Pinwand konkurrierte ein Strand mit dem anderen, sei es im Büro oder daheim. Ganz clevere Zeitgenossen haben einfach reisewütigen Freunden vorgeschriebene Ansichtskarten mitgegeben, damit diese sie dann im Urlaubsland in den Briefkasten werfen sollten, während man sich im heimischen Schrebergarten „versteckte“.

Ständer mit Ansichtskarten aus Berlin

Den „Gruß aus Berlin“ gibt es
meist nur noch digital.
Ansichtskarten sind ein Relikt der Vergangenheit.

Heutzutage spielen Ansichtskarten nur noch eine untergeordnete Rolle. Hauptsächlich echte Fans und Nostalgiker machen sich noch die Mühe, den Lieben daheim auf dem Postweg einen Gruß zukommen zu lassen. Und so fristet mancher Ansichtskartenständer ein trauriges Leben. Dank moderner Smartphones landet das Urlaubsbild direkt auf Facebook, wird über WhatsApp verteilt oder per Mail verschickt. So erreicht es viele Menschen auf einmal und kann sofort ausgiebig bewundert und kommentiert werden. Bis die Ansichtskarte ankommt, ist man oft schon wieder von der Reise zu Hause.

Manchmal finde ich diese Entwicklung schade. Denn eines wird man zukünftig nicht mehr haben: einen vergnüglichen Nachmittag oder Abend, wenn man sich gemeinsam die Ansichtskarten der Vergangenheit anschaut und dabei die ein oder andere Anekdote zum Besten gegeben wird.

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