Von Bremerhaven in die Neue Welt – eine Reise ins Ungewisse

By | 20. 09. 2012

„Deutsches Auswandererhaus“, das hört sich im ersten Moment etwas bieder und langweilig an, man könnte meinen, das ist mehr etwas für ältere Leute, aber hier erwartet einen kein trockener Museumsbesuch, sondern ein besonderes Erlebnis, ein Ausflug in die Geschichte der deutschen Auswanderung vom 17. bis ins 21. Jahrhundert, sehr beeindruckend und wirklich gut gemacht.

Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven

Deutsches Auswandererhaus in Bremerhaven –
dieses Museum macht Geschichte lebendig.

Bild: Bredika, Dieter Kalina/pixelio.de

Zwischen 1834 und 1972 sind über 7 Millionen Menschen über Bremerhaven in die weite Welt ausgewandert. Die Hintergründe, die Schicksale, die Rolle Bremerhavens als größter deutscher Auswanderungshafen, was Auswanderung damals bedeutete, all dies wird eindrucksvoll vermittelt. Hier wird Geschichte lebendig. Das beginnt schon damit, dass man als Besucher mit seiner Eintrittskarte die wahre Identität eines Auswanderers zugewiesen bekommt, dem man auf allen Stationen seiner Reise folgen kann: vom Abschied am Kai der Heimat bis zur Einreise in Amerika.

Einige Stationsbeschreibungen:

Am Anfang betritt man den Wartesaal dritter Klasse, um auf das Auswandererschiff zu kommen. Hier wird man mit grundlegenden Informationen und historischen Hintergründen vertraut gemacht. Dann öffnet sich die Tür, man betritt den Kai und schaut auf die Bordwand eines großen Schiffes, des Schnelldampfers „Lahn“. Auf dem Kai befinden sich die Auswanderer in Gestalt lebensgroßer Puppen in der Kleidung der damaligen Zeit, außerdem Gepäckstücke aller Art, Kisten und Fässer mit Proviant für die Reise. Geräusche und Lichteffekte dienen dazu, die Szene so realitätsnah wie möglich zu gestalten.

Über eine Gangway geht man an der Bordwand empor, betritt das Innere des Schiffes und kommt zunächst in die „Galerie der 7 Millionen“, ein Saal mit dunklen Mahagonischränken und zahlreichen Schubfächern. Hier kann man sich auf die Suche nach der erhaltenen Identität begeben und lernt die Biografie seines Paten kennen. Natürlich kann man auch alle anderen Personen heraussuchen. Mittels Kopfhörer erfährt man, was diese Menschen zur Auswanderung bewog, wo sie sich jenseits des Atlantik aufhielten und was aus ihnen wurde.

In der nächsten Station wird die Situation für die Passagiere der 3. Klasse dargestellt. Auf den Segelschiffen ist es eng, dunkel und stickig: die Auswanderer schlafen in doppelstöckigen Reihen auf Holzkonstruktionen und Strohsäcken. Auf den späteren Dampfern geht es schon etwas komfortabler zu. Es ist heller, man übernachtet auf Stahlpritschen, aber immer noch in doppelstöckigen Reihen nebeneinander. Doch es gibt auch Kabinen der 2. Klasse und einen Salon für die Erste-Klasse-Passagiere. Es gibt nachgebaute Speisesääle mit lebensgroßen Passagieren und Kellnern. Eine Dokumentation klärt über die hygienischen Verhältnisse an Bord auf.

Schließlich gelangt man nach New York – dem Ende der Reise. Hier im Schatten der Freiheitsstatue lag Ellis Island, die größte Einwanderungsstation der USA, genannt „Insel der Tränen“. Hier wurde binnen 1 Minute entschieden, wer einreisen durfte und wer nicht. Vorangegangen waren eine kurze medizinische Untersuchung und die Beantwortung von Fragen aus einem Katalog der Einwanderungsinspektoren.

Freiheitsstatue New York

Die Auswanderer sind am Ziel ihrer Reise angekommen.

Bild: Carl-Ernst Stahnke/pixelio.de

Die beklemmende Atmosphäre kann man deutlich nachempfinden, wenn man den gefliesten Gang entlang geht, an den Drahtkäfigen vorbei, in denen die Auswanderer eingepfercht waren und darauf warteten, einzeln vorgelassen zu werden.

Dann steht der Besucher vor einem Touchscreen und bekommt Gelegenheit, auf den Fragenkatalog zu antworten. Das Urteil erfährt man sofort; grüne Lampe: Einreise bewilligt, rote Lampe: Einreise abgelehnt.

Zum Schluss kann man im „Forum Migration“ auf Spurensuche nach ausgewanderten Vorfahren gehen. Es stehen mehrere Computerarbeitsplätze zur Verfügung, und man kann dort in den größten genealogischen Datenbänken recherchieren, die Passagierlisten der Schiffe einsehen, nach Namen oder Orten suchen.

Skyline von Bremerhaven

Bremerhaven – die schöne Stadt an der Nordsee.

Bild: Dieter Kalina bredika.de/pixelio.de

Mein Urteil: Ein Besuch im Museum lohnt sich für Groß und Klein, aber bitte etwas Zeit mitbringen.

Geschrieben von Hildegard

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