Die Telekom hat einen Vogel

By | 27. 04. 2013

Die Telekom hat einen Vogel. Seit Tagen schwirrt die „DSL-Drossel“ durch die Medien und wird fetter und fetter. Worum geht es eigentlich?

Dass eine Flatrate nicht immer eine Flatrate ist, kennen wir schon aus dem Mobilfunkbereich. Auch wenn vollmundig mit „unbegrenztem Surfvergnügen“ geworben wird, offenbart ein Blick ins Kleingedruckte, dass „unbegrenzt“ ein durchaus dehnbarer Begriff ist. Je nach Tarif wird man nach Überschreitung eines vorgegebenen Datenvolumens (300 MB, 500 MB, 1 GB, …) auf Schneckentempo abgebremst. Da wird das Öffnen einer Internetseite zum Geduldsspiel. Für viele Smartphone-Neulinge gleicht die Entscheidung, welcher Tarif denn der richtige ist, einer Besteigung des Mount Everest. Wie hoch ist denn der eigene Verbrauch? Wie viel Datenvolumen verbraucht so eine E-Mail? Kann ich mir Videos bei YouTube angucken? Was ist mit Facebook oder Skype? Fragen über Fragen …

Zurück in die Vogelwelt. Der magentafarbene Telekommunikationsriese mit Namen Telekom hat sein Herz für die Drossel entdeckt. Ab Mai 2013 ist auch beim heimischen DSL eine Flatrate keine Flatrate mehr. Dieser Angriff auf die Netzneutralität soll zuerst nur für Neukunden, aber langfristig für alle gelten. Details dazu gibt es aktuell zu Genüge im Netz.

Drossel

Im Frühjahr 2013 erlangt ein Vogel traurige Berühmtheit:
die Telekom führt die „Drossel“ ein.

Bild: Joachim Grote/pixelio.de

Nun wird sich der ein oder andere Internetnutzer denken: Was interessiert mich das? Ich schreibe täglich ein paar Mails, schaue mir das Leben meiner Freunde bei Facebook an und lade keine illegalen Videos aus dem Netz herunter (irgendwie scheint ein hoher Datenverbrauch immer mit illegalem Treiben gleichgesetzt zu werden …).

In Zeiten von Dropbox, digitaler Distribution wie z.B. «Steam», Internet-Telefonie, Video-on-Demand u.v.m. ist die Drosselung ein Angriff auf das Internet an sich. Wenn die „Büchse der Pandora“ einmal geöffnet wird, ziehen auch die anderen Anbieter nach und werden sich in Zukunft viele Dienste einzeln bezahlen lassen.

Das haben auch die Politiker erkannt. Zitat: „Auch Bundesverbraucher-schutzministerin Ilse Aigner (CSU) fand deutliche Worte für die Pläne des Bonner Konzerns: “Anscheinend steht die Telekom auf der Leitung – sonst würde sie erkennen, dass ihr neues Geschäftsmodell ein klassischer Rohrkrepierer zu werden droht. Die Telekom darf ihre Kunden nicht vor den Kopf stoßen.” Gegenüber Bild schloss Aigner auch ein Eingreifen des Bundeskartellamts nicht aus. “Sollte sich herausstellen, dass die Telekom ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzt, muss das Kartellamt einschreiten. Falls die neuen Tarife eine Gefahr für die Netzneutralität darstellen, muss die Bundesnetzagentur tätig werden.”

Ich bin gespannt, wie sich die Geschichte entwickelt. Wie heißt es doch in dem alten Kinderlied:

„Wie sie alle lustig sind,
flink und froh sich regen!
Amsel, Drossel, Fink und Star
und die ganze Vogelschar
wünschen dir ein frohes Jahr,
lauter Heil und Segen.

Was sie uns verkünden nun,
nehmen wir zu Herzen:
Wir auch wollen lustig sein,
lustig wie die Vögelein,
hier und dort, feldaus, feldein,
singen, springen, scherzen.“

„Lustig“ findet das wohl niemand. Die Telekom hat einen Vogel.

GASTBEITRAG USCHI

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