Ebook-Reader: Die Qual der Wahl

By | 04. 07. 2013

Vor ein paar Jahren wusste niemand, was überhaupt ein Ebook ist. Heute kaufen sich immer mehr Menschen einen Ebook-Reader, mit dem sie ihre Bücher lesen.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Wer schon einmal mit vier oder fünf dicken Büchern in den Urlaub gefahren ist, der weiß, was man da so an Gewicht mit sich herumschleppt. Spätestens wenn man mit dem Flugzeug verreist, wo quasi jedes Gramm an Gepäck wertvoll ist, stößt man ziemlich schnell an seine Grenzen.

Ein Ebook-Reader kann Hunderte – nein: Tausende ­– von Büchern speichern, die man jederzeit aufrufen und lesen kann. Und das, ohne Gewichtszunahme. So ein Reader wiegt – grob gesehen – zwischen 150 und 200 Gramm, egal, wie viele Bücher letztendlich da „drauf“ sind.

Ein Ebook ist letztendlich nichts anderes als eine Datei, die Texte und ggf. auch Bilder beinhaltet. Diese Texte (und Bilder) werden auf einem Display zum Lesen angezeigt. Heutzutage sind diese Displays nahezu ausschließlich so genannte „eInk“-Displays. „eInk“ bedeutet „electronic ink“ bzw. „elektronische Tinte“. Diese Displays ähneln einem bedruckten Blatt Papier sehr, sodass das Leseerlebnis nahe an das in einem klassischen Buch herankommt. Natürlich kann man Ebooks auch auf Smartphones, Tablet-PCs oder auch „richtigen“ PCs oder Laptops lesen (da gibt es dann entsprechende Programme, die diese Dateien darstellen können), aber die Geräte mit „eInk“ haben den großen Vorteil, dass diese Bildschirme kaum Strom verbrauchen. Während ein Tablet-PC oder ein Smartphone nach zwei, drei Tagen (spätestens) an die Steckdose muss, rechnet man mit einem reinen Ebook-Reader eher in Wochen bzw. Monaten, als in Tagen. Ein zwei- bis dreiwöchiger Urlaub ist da in der Regel kein Problem.

Das heißt: Wenn man Ebooks lesen will, braucht man ein entsprechendes Gerät, welches die Texte anzeigen kann. In dieser Abhandlung soll es nicht um Smartphones oder Tablet-PCs gehen, sondern ausschließlich um „richtige“ Ebook-Reader.

Ebook-Reader

Wer die Wahl hat, hat die Qual.
Das Ebook-Reader-Angebot ist groß.

Wenn man sich dann mal ein bisschen mit den unterschiedlichen Angeboten beschäftigt, dann stößt man schnell auf den Gegensatz „Amazon gegen den Rest der Welt“. Die meisten Verlage veröffentlichen ihre Ebooks im Format „.epub“. Das ist ein bestimmtes Format, welches die meisten Ebook-Reader lesen können. In dieses Format integriert ist auch ein so genanntes „DRM“ (= „Digital Rights Management“ – also letztendlich ein Kopierschutz), welches von den Verlagen in Anspruch genommen werden kann und in der Regel auch wird. Damit wird verhindert, dass die gekauften Bücher sich “plötzlich vermehren“ – aber gleichzeitig ist dies auch eine der ganz großen Schwachstellen (ich komme weiter unten noch ausführlich zu diesem Thema).

Fast alle Anbieter bieten Geräte an, welche problemlos das .epub-Format darstellen können und auch keine Probleme mit dem DRM haben. Aber eben nur fast alle. Einer – nämlich die Firma amazon – schert aus diesem Reigen aus und benutzt ein eigenes Format, welches ausschließlich mit den eigenen Geräten kompatibel ist. Amazon bietet einen Ebook-Reader namens „Kindle“ an, den es in unterschiedlichen Ausführungen gibt. Das bedeutet: Wenn ich ein Ebook bei Amazon kaufe, dann kann ich dieses ausschließlich auf einem „Kindle“ lesen – und umgekehrt bedeutet das auch: wenn ich einen Kindle besitze, dann kann ich nur Bücher bei Amazon kaufen, denn nur amazon bietet das Format an, welches der Kindle lesen kann. Mit anderen Worten: Wenn man sich entscheidet, einen Kindle zu kaufen, dann entscheidet man sich auch dafür, dass man Ebooks ausschließlich bei Amazon kauft und nirgends sonst.

Lange Zeit war Amazon mit dem Kindle der Platzhirsch – einfach deshalb, weil die Konkurrenz nichts Vergleichbares anbieten konnte. Natürlich gab es auch andere Fabrikate – aber ganz ehrlich: Lange Zeit konnten die in Sachen Qualität mit dem Kindle nicht annähernd mithalten.

Mittlerweile gibt es einige Produkte, die dem Kindle den Kampf angesagt haben, allen voran der „Tolino Shine“. Hier haben sich einige der großen deutschen Buch- bzw. Medienhändler (Thalia, Hugendubel, Weltbild, Bertelsmann) gemeinsam mit der Deutschen Telekom unter ein Dach begeben, um ein konkurrenzfähiges Produkt zum Kindle zu haben. Und das kann sich durchaus sehen lassen. Der Tolino Shine zeigt problemlos das .epub-Format an und kann auch ebenso problemlos mit dem entsprechenden Kopierschutz umgehen. Und auch wenn auf dem Tolino Shine – je nachdem, wo man ihn kauft – immer der entsprechende Shop vorinstalliert ist (kauft man ihn bei Thalia, ist thalia.de als Shop installiert, kauft man ihn bei Hugendubel, ist hugendubel.de installiert usw.), bedeutet das noch lange nicht, dass man dann immer und ausschließlich da einkaufen muss. Nein, im Gegenteil – solange es sich um ein für den Reader lesbares Format handelt, kann man einkaufen, wo man will. Der Tolino Shine tritt in direkte Konkurrenz zum Kindle Paperwhite (Beleuchtung, Touchscreen), ist aber um einiges günstiger in der Anschaffung (99,00 Euro im Gegensatz zu 129,00 Euro).

Gleiches gilt für den Cybook Odyssey HD von Bookeen. Dieser hat gegenüber dem Tolino Shine und auch dem Kindle Paperwhite den Vorteil, dass er sowohl per Touchscreen als auch per Tasten bedient werden kann. Links und rechts in Daumenhöhe eine Taste zum Blättern erspart doch so manche Verrenkung beim Lesen. Den Cybook Odyssey HD gibt es auch bei Thalia, er kostet dort 129,00 Euro und ist damit genauso teuer wie der Kindle Paperwhite. Beim Hersteller selbst schlägt dieser Reader mit 149,00 Euro zu Buche. Auch der Cybook Odyssey HD kann .epub-Dateien lesen und ist somit in der Lage, die meisten Ebooks führender Verlage darzustellen.

Ansonsten gibt es Reader von Sony (Sony PRS-T2) und Kobo (Kobo Glo), die in einer ähnlichen Preisklasse liegen wie der Cybook Odyssey HD von Bookeen. Auch diese lesen das verbreitete .epub-Format inkl. Kopierschutz.

Somit gibt es in der Ebook-Welt quasi zwei Lager: Amazon mit seinem proprietären Format und dem Kindle sowie dem Rest der Welt mit dem .epub-Format.

Normalerweise suche ich mir gern selbst aus, wo ich kaufen möchte – insofern wäre der Kindle von amazon nicht unbedingt meine erste Wahl, auch wenn das Einstiegsgerät gnadenlos günstig ist (derzeit 69 Euro für den Kindle 4 ohne Touchscreen). Der Preisknaller bei den „Anderen“ ist der Tolino Shine mit 99 Euro, der Rest liegt sowohl vom Leistungsumfang als auch vom Preis her in einer Klasse mit dem Kindle Paperwhite. Meine persönliche Entscheidung würde wohl zwischen dem Tolino Shine und dem Bookeen Cybook Odyssey HD fallen, wenn … ja, wenn …

Es gibt aber tatsächlich einen Grund, der für den Kindle sprechen könnte. Grundsätzlich herrscht in Deutschland die Buchpreisbindung. Was heißt das? Das bedeutet, dass nicht der (Buch-)Händler den Preis bestimmt, sondern der Hersteller, also der Verlag. Dies ist in Deutschland einmalig und bedeutet, dass ein Buch immer gleich viel kostet – egal, wo man es kauft. Diese Buchpreisbindung gilt grundsätzlich für alle deutschsprachigen Druckerzeugnisse (bzw. für alle deutschen Verlage) und auch für Ebooks, auch wenn diese nicht im eigentlichen Sinne „gedruckt“ werden. Sie werden aber gelesen – und das ist das entscheidende Kriterium. Ein Hörbuch beispielsweise, das nicht gelesen, sondern gehört wird, unterliegt trotz gleichen Inhalts nicht dieser Preisbindung.

Diese Preisbindung gilt jedoch – wie oben schon kurz erwähnt – nur für deutschsprachige Bücher, nicht jedoch für ausländische Verlagserzeugnisse und demzufolge auch nicht für fremdsprachige Bücher. Und hier muss ich sagen, kommt die große Stunde des Kindle. Denn ich habe mir mal die Mühe gemacht und ca. 50 englischsprachige Bücher in ihren Ebook-Ausgaben bei den verschiedenen Anbietern zu vergleichen. Nicht dass 50 Bücher auch nur annähernd einen repräsentativen Querschnitt bilden würden – aber es fällt auf, dass diese englischsprachigen Bücher durch die Bank und ohne Ausnahme bei amazon günstiger sind. Und nicht um 2 oder 3 Prozent günstiger, sondern um 50 bis 70 Prozent. Ein englisches Ebook, das bei Thalia oder Hugendubel vielleicht 11,69 Euro kostet, kostet bei amazon vielleicht nur 4,99 Euro oder 5,29 Euro (das ist jetzt nur ein Beispiel, dieses kommt der Realität aber recht nahe). Und hier kommt man dann schon ins Grübeln, wenn man gern englischsprachige Autoren lieber im Original liest (weil keine Übersetzung – und sei sie noch so gut – jemals das Original 1:1 ersetzen kann), denn wenn ich bei jedem Ebook um die 5,00 Euro im Einkauf sparen kann, dann kann ich mir sehr leicht ausrechnen, wie viele ich lesen muss, um durch die Ersparnis die Investition in den Reader (in diesem Fall der „Kindle“) wieder „reingeholt“ zu haben.

Wer ausschließlich deutsche Bücher liest, hat in der Tat die Qual der Wahl – denn die Kaufpreise für die Bücher sind überall gleich.

Ein wenig Kritik möchte ich jedoch auch noch anbringen: Der geschätzte Leser möge sich doch einmal fragen, wie denn ein Preis für ein (gedrucktes) Buch kalkuliert wird: Da wäre zunächst einmal ein Layouter, der für seine Arbeit Geld bekommt. Dies fällt beim Ebook weitestgehend weg, denn je nach Gerät und Schriftgröße sind die Zeilen logischerweise unterschiedlich lang, sodass ein festes Layout gar nicht vorhanden ist. Dann gibt es eine Druckerei, die das Buch druckt. Hier wird Papier und Druckerschwärze benötigt, die Geld kosten. Beim Ebook? Fehlanzeige. Das Buch muss in die Buchbinderei und gebunden werden. Auch das kostet Geld? Ebook? Nein. Je nach Auflage benötigt man eine genügend große Lagerfläche für die Bücher. Auch das kostet Geld (Miete). Welche Lagerhaltungskosten fallen bei einem Ebook an? Ein paar Megabytes auf einer Festplatte. Das ist alles. Autorentantieme fällt bei beiden Varianten an – aber das ist alles.

Wenn man sich das alles ansieht, dann sollte man eigentlich denken, dass ein Ebook um einiges günstiger als ein gedrucktes Buch sein sollte, oder? Ist das tatsächlich so? Mitnichten! Wenn ein Taschenbuch 9,99 Euro kostet, dann kostet das Ebook vielleicht 8,99 Euro. Dies betrifft durch die Bank alle Verlage und Anbieter. Die Buchhändler können nichts dafür, die bekommen den Preis durch die Buchpreisbindung vorgeschrieben – zumindest bei den deutschsprachigen Büchern. Allerdings setzt sich das auch bei den fremdsprachigen Werken fort – hier liegt die Differenz zwischen gedrucktem Buch und Ebook in einem ähnlich kleinen Bereich. Damit setzt sich in mir leider immer wieder das unschöne Gefühl fest, ganz schön abgezockt zu werden. Leider.

Und noch etwas kommt hinzu: An einem Ebook kann ich prinzipbedingt kein Eigentum erwerben, sondern lediglich eine „Lizenz zum Lesen“ – und diese Lizenz ist auch noch auf mich persönlich beschränkt. Was bedeutet das? Ein gedrucktes Buch kann ich jederzeit meinem Nachbarn, meiner Schwester oder meinem Freund ausleihen – und wenn ich es nicht mehr will, dann kann ich es auch bei eBay oder auf dem Flohmarkt verkaufen. Mit einem Ebook funktioniert das nicht, denn ein Ebook „gehört“ mir nicht. Das sind jetzt zwar größtenteils juristische Feinheiten, aber sie sollen nicht unerwähnt bleiben, finde ich.

Fazit: Wie schon in der Überschrift festgestellt: Die Qual der Wahl hat der Käufer. Für die Nicht-Amazon-Reader spricht der freie Markt (man kann selbst entscheiden, wo man kauft), für den Kindle sprechen die günstigen Preise für nicht-deutschsprachige Ebooks. Ich persönlich könnte – wenn ich diese Qual der Wahl aktuell hätte – nicht auf Anhieb sagen, für welche Variante ich mich entscheiden würde.

Geschrieben von Peter

Bild: Wikipedia

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